Dienstag, 31. Januar 2012

Osama Bin Laden schlug seine eigenen Kinder

Omar Bin Laden, der Sohn von Osama Bin Laden, berichtete in einem Interview Ende 2009 über seine Kindheit. “There were lots of kids, so it could be noisy. But when my father was around, we were quiet and obedient. My childhood was mainly sad and lonely because of my father's passion for supporting the Afghan people against the Russians. I rarely had time with him and he was afraid for our safety, so we had to play indoors. “ und “(…) my father was stern and did not hesitate to use his cane“ (übersetzt: mein Vater war streng und zögerte nicht, seinen Rohrstock zu benutzen) Im gleichen Satz fügte der Sohn allerdings auch noch gleich seine Idealisierung des Vaters an, was klassisch ist. Auch ein ZDF-Bericht enthüllt die familiäre Gewalt: "Er war kein Mann, der Gefühle zeigte", erinnert sich Omar. "Nichts weckte väterliche Wärme in ihm. Mein provokantes Verhalten führte dazu, dass der Rohrstock zu seinem Markenzeichen wurde. Er begann, mich und meine Brüder beim geringsten Vergehen mit dem Stock zu züchtigen."
"Der Terrorfürst behandelte seine Söhne nicht anders als seine Kämpfer, setzte sie Gefahren und Härten aus und schlug sie bei kleinsten Vergehen derart brutal, dass manchmal der Rohrstock zerbrach." schrieb das Hamburger Abendblatt über Osama Bin Ladens Umgang mit seinen Kindern. Der endgültige Bruch zwischen Omar Bin Laden und seinem Vater kam, so das Abendblatt, als Bin Laden senior seine Söhne dazu aufforderte, sich für Selbstmordmissionen zu melden. Er ermutigte sie, sich für al-Qaida in die Luft zu sprengen...

Dass Osama Bin Laden Gewalt gegen seine Kinder anwandte, sie vernachlässigte und sie in seiner Gegenwart „leise und unterwürfig“ sein sollten, verrät viel über das, was Osama Bin Laden als Kind selbst erlebt haben dürfte. Ich finde es immer wieder bezeichnend, dass sich bzgl. solcher Massenmörder stets alles andere als ein liebevoller Umgang mit den eigenen Kindern und auch keine eigene liebevolle Kindheit nachweisen lässt. Denn: Geliebte Kinder werden nicht zu Massenmördern.

Freitag, 27. Januar 2012

Wortgewalt in den deutschen Medien

Dass in der Sprache aber auch in medialen Bildern kindliche Gewalterfahrungen auftauchen, ist nicht nur logisch, sondern auch Bestandteil psychohistorischer Forschung. Bereits der Heraklit Spruch „Der Krieg ist der Vater aller Dinge“ oder Saddam Husseins berühmter Satz von der „Mutter aller Schlachten“ sagt viel über die Hintergründe. Noch Mitte der 60er Jahre galten Schläge bei 80 bis 85 Prozent aller deutschen Eltern als notwendiges Erziehungsmittel. Jedes dritte Kind wurde sogar mit einem Stock verprügelt. (DER SPIEGEL, 22.04.1964) Aktuellere Zahlen zeigen ein etwas besseres Bild, aber trotzdem ist Gewalt gegen Kinder immer noch Alltag in Deutschland. In den deutschen Medien ist die Sprache entsprechend voll mit Andeutungen oder direkten Wörtern, die sich auf kindliche Gewalterfahrungen beziehen und gleichsam unreflektiert für alle möglichen politischen Ereignisse genutzt werden. Die Sendung „Menschen bei Maischberger“ vom 02.11.2010 lief beispielsweise unter dem Titel „Aufschwung XXL: Warum verprügeln wir Schwarz-Gelb?".
"Mutti Merkel" und ihr Prügelknabe„ titelte der Stern am 23.06.2008 und im Textverlauf heißt es, dass „die CDU-Familie immer häufiger“ diesen Spitznamen verwendet. Wer statt der Autorität „Mutti Merkel“ stellvertretend verprügelt wird erfährt man auch: „Allzu gerne prügeln unzufriedene CDU-Politiker auf CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla ein, wenn sie sich offene Kritik an Angela Merkel nicht trauen.

Viele Medien nutzen gleich die Titel, um ihre „Prügelsprache“ unterzubringen. Einige Beispiele:

"Prügel für CDU-Reformkonzepte" („Rheinische Post-Online“, 03.12.2003)

„Politische Prügel für die CDU“ (titelte die RP-Online erneut am 13.03.2008)

„Prügel für die SPD“ (mal wieder RP-Online, 06.01.2011)

„Prügel von den Partnern für CDU und SPD“ (titelte Welt-Online, 04.05.2008)

„Verbale Prügel für die Grünen“ (Welt-Online, 25.11.2010)

„CDU im Umfragetief, Merkel abgewatscht“ (bz-berlin.de, 08.07.2011)

„CDU wird herb abgewatscht“ (Südwest Presse, 28.03.2011)

„Fraktionswahl. Steinbach von eigenen Leuten abgewatscht“ (Zeit-Online, 28.09.2010)

„SPD-Parteitag. Wird Scharping abgewatscht?“ (faz.net, 19.11.2001)

"Ohrfeige für CDU und FDP. Sellering hat die Wahl" (n-tv, 04.11.2011)

"Wulff-Affäre. Gabriels Ohrfeige und ihr Nebeneffekt" (Stuttgarter Zeitung, 10.01.2012)

"Südwest-SPD. Basis-Ohrfeige für Spitzenkandidat Schmid" (SPIEGEL-Online, 16.10.2010)

„Hat Merkel die Prügel verdient?“ (Bild.de, 22.05.2010)

„Rösler bricht das Tabu – und bezieht Prügel“ (Focus, 13.09.2011)

„Lafontaine bezieht weiter Prügel“ (Focus, 14.08.2004)

„Eine schallende Ohrfeige für Friedrich“ (Frankfurter Allgemeine, 07.12.2011)

„Prügel für den Buchhalter" (Anmerk. gemeint war die Finanzpolitik von Hans Eichel) (Focus, 08.09.2003)

„Westerwelle steckt von allen Seiten Prügel ein“ (Focus, 29.08.2011)

„Über diese Prügel darf sich die SPD nicht wundern“ (Grafschafter Nachrichten, 30.09.2009)

„Kritik an Bundesregierung. Koalition bezieht Prügel aus eigenen Reihen.“ (Handelsblatt, 02.01.2010)

„SPD bezieht Prügel für Hartz-IV-Vorschläge“ (Handelsblatt, 16.03.2010)

„Bartsch: Weniger Prügel für die SPD“ (Sueddeutsche.de, 03.03.2008)

„Vor NRW-Wahl. Union und SPD prügeln sich wegen Hilfe für Athen“ (Financial Times Deutschland, 28.04.2010)

„Verbale Prügel für Ratsherr Pepmeyer“ (Flensburger Tagesblatt, 24.11.2011)

"Hardliner Koch. Jetzt gibt's was hinter die Löffel Selbst aus der CDU hagelt es Kritik. Und Joschka Fischer prügelt mit." (Berliner Kurier, 15.01.2008)

Aber auch manche Politiker selbst nutzen die „Prügelsprache“:
Ich bin am Anfang fürchterlich verdroschen worden - sprachlich (…)“ (Gerhard Schröder über seine Anfänge in der Politik. Vgl. sueddeustche.de, 13.05.2005)
Guido Westerwelle im Interview für die Stuttgarter Zeitung: „Beiden ist von Karlsruhe der Hintern versohlt worden.“ Er bezog sich damit auf Merkel und Steinbrück und auf eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes.
Klaus Ernst (DIE LINKE) am 15.12.2011 im Bundestag: "Vor Weihnachten gibt es den Nikolaus, und der Nikolaus hat eine Rute. Ich sage Ihnen: Wenn Sie dem Nikolaus begegnet wären, hätte er Ihnen wegen Ihrer Rentenpolitik so lange den Hintern versohlt, dass Sie bis Weihnachten nicht mehr sitzen könnten. (Beifall bei der LINKEN)"

Auch in Sportberichten, Wirtschaftsnachrichten usw. findet sich ein ähnlicher Sprachstil, wenn man denn danach sucht. Kurzum: Auch wenn diese "wortgewaltigen" Beispiele sicher nicht den Alltag in den Medien bestimmen, sie tauchen immer mal wieder auf. Spannend wäre es, einmal die Mediensprache historisch auszuwerten. Wie oft und in welcher Form tauchten in den 50er und 60er Jahren in den deutschen Medien symbolisch, direkt oder in Bildern kindliche Gewalterfahrungen auf, wie sah das ganze gar in den 20er und 30er Jahren aus? Ein solches Projekt wäre glatt eine Doktorarbeit wert, die vielleicht einmal jemand verfasst.

Donnerstag, 26. Januar 2012

Von der Kindheit des "Terminators" und berühmter Boxer

Irgendwo muss erfahrene Gewalt in der Kindheit hin, sie verpufft nicht einfach, wenn sie nicht therapeutisch aufgearbeitet wird. Und sie verpufft erst recht nicht, wenn die Gewalt häufig erlebt wurde und heftig in ihrer Form war. Menschen sind sehr komplex und entsprechend vielseitig sind die Ausdrucksformen von erlittener Gewalt. Ein Gewalttäter zu werden, ist eine Sache. Andere werden z.B. Bodybuilder und „Terminatoren" auf der Leinwand oder Boxer, wo legal Gewalt ausgeübt werden kann. Letztlich eine kreative Möglichkeit, so man will, auch wenn sie mir nicht wirklich konstruktiv vorkommt.

Zufällig bin ich auf Berichte über die Kindheit von Arnold Schwarzenegger und den Klitschkobrüdern gestoßen. Ich befasse mich eher beiläufig mit Kindheiten von Prominenten, obwohl man da sicherlich viel zu schreiben könnte. Ich finde es immer wieder erhellend, dass Charaktere, die bereits durch ihr Verhalten sehr viel über ihre Kindheit erzählen, auch nachweisbar Gewalt erfahren haben.

Wladimir Klitschko über seine Kindheit: „Als ich mal was ganz Schlimmes getan hatte, wusste ich, dass mir der Po versohlt wird. Also dachte ich: Wenn der Vater abends kommt, wird es hart. Aber ich dachte auch: Wenn die Mutter das schon geklärt hat, wird Vater gnädig sein. Dann habe ich den Gürtel aus einer Hose meines Vaters genommen und bin damit zur Mutter gegangen. Ich sagte ihr, dass ich etwas Schlimmes gemacht habe, und dass es nicht richtig war. Ich gab ihr den Gürtel in die Hand, guckte in ihre Augen und sagte: So, und jetzt schlag zu. Und dann habe ich ihr noch mit Tränen in den Augen gesagt: Komm, schlag! Mach es! Und dann ist unsere Mutter eingeknickt.“ (Tagesspiegel Online, 15.06.2011)

Arniold Schwarzenegger: „Ich wurde an den Haaren gezogen. Ich wurde mit einem Gürtel verprügelt. (…)Damals wurde der Willen von vielen Kindern gebrochen. Das war die österreichisch-deutsche Mentalität.“ Immer, wenn er geschlagen worden sei, so im Artikel weiter, habe er sich gesagt: „Hier bleibe ich nicht mehr lange. Ich will will hier weg. Ich will reich sein. Ich will jemand werden.“ (schwaebische.de, 05.08.2004)

Mittwoch, 25. Januar 2012

Steven Pinker: "Eine neue Geschichte der Menschheit" und die alte Blindheit

Der Evolutionspsychologe Steven Pinker hat kürzlich umfassend in seinem Buch „Gewalt. Eine neue Geschichte der Menschheit“ (erschienen 2011) dargelegt, dass diverse Formen von Gewalt (inkl. Krieg) und die Opferraten pro 100.000 Einwohner seit Menschengedenken stetig abnahmen und wir uns derzeit in der friedlichsten Epoche der Menschheit befinden. Dieses Buch spricht mir in dieser Hinsicht voll aus dem Herzen, denn auch ich fühle mich mit dem Blick auf die Geschichte sehr gut und sicher in der Zeit, in der ich lebe. Wir befinden uns in der Tat in einem evolutionären Prozess, der alle Bereiche der Gesellschaft immer menschlicher und gewaltloser werden lässt und der sich zudem immer mehr zu beschleunigen scheint. Diese belegte Beobachtung straft viele gängige Thesen Lügen, die z.B. in einem kapitalistischen System den Ursprung von ständiger Kriegsbereitschaft und einem vermeintlichen Anstieg der Gewalt sehen oder die darlegen, dass das einfache Leben der Urvölker und Stämme ein friedvolles Ideal war und wir Opfer unserer modernen Zivilisation und Technik wären.

Bzgl. der Erklärung von Gewalt und Gewaltrückgang teile ich die Sicht des Autors allerding weniger. Pinker beschreibt fünf „innere Dämonen“ (wie er es nennt) des Menschen: Räuberische oder ausbeuterische Gewalt (als Mittel zum Zweck), Herrschaftsstreben, Rache, Sadismus und Ideologie. Dagegen stellt er vier „bessere Engel“, die die Gewalt zurückdrängen: Empathie, Selbstbeherrschung, Moralgefühl und Vernunft. Mit seiner Wortwahl von „Dämonen“, die durch „Engel“ bekämpft werden müssten macht der Autor ein ganz schönes bildliches Fass auf. Pinker stellte zudem dem Kapitel „Der Prozess der Zivilisation“ ein Zitat von Sigmund Freud voran: „Es ist unmöglich zu übersehen, in welchem Ausmaß die Kultur auf Triebverzicht aufgebaut ist“ (S. 106) Auch wenn Pinker gleich zu Anfang sagt, dass ein innerer natürlicher Tötungsdrang oder Blutdurst, der sich von Zeit zu Zeit entladen müsse, aus wissenschaftlicher Sicht nicht belegbar ist (S. 17), geht er wohl doch von einer gewissen natürlichen Disposition zur Gewalt aus, die durch äußere Rahmen aber eben auch durch die vier „Engel“ eingedämmt werden kann. Seinem Kapitel über die „inneren Dämonen“ setzt er während der Einleitung voran: „Ich möchte (…) „Sie zunächst davon überzeugen, dass die meisten von uns – auch Sie, verehrter Leser – zur Gewaltausübung verdrahtet sind, auch wenn wir aller Wahrscheinlichkeit nach nie die Gelegenheit haben werden, diese Verdrahtung zu nutzen.“ (S. 714) und er schiebt gleich nach: „Ein typisches Kleinkind tritt, beißt, schlägt und rauft zumindest manchmal, und im weiteren Verlauf der Kindheit geht die Häufigkeit der körperlichen Aggression dann nach und nach zurück. Tremblay merkt dazu an: „Babys bringen sich gegenseitig nicht um, weil wir ihnen keine Messer und Pistolen geben. Die Frage … die wir seit 30 Jahren zu beantworten versuchen, lautet: Wie lernen Kinder, aggressiv zu sein? (Aber) das ist die falsche Frage. Die richtige lautet: Wie lernen sie, nicht aggressiv zu sein?“ “ (S. 714)

Ich glaube, jeder, der schon mal mit Kleinkindern zu tun hatte, weiß darum, dass diese aggressiv auftreten können bzw. auch gezielt Grenzen überschreiten, um sich auszuprobieren. In der Tat lernen sie soziales Verhalten, wenn ihnen dann Grenzen aufgezeigt werden. Das ist ein ganz natürlicher Prozess. Es gibt aber einen Unterschied zwischen Aggression und Gewalt, ja gar gezielter Grausamkeit. (Sehr gut hat diesen Unterschied z.B. Joachim Bauer in seinem Buch „Schmerzgrenze. Vom Ursprung alltäglicher und globaler Gewalt“ herausgearbeitet.) Ich selbst würde einem Kleinkind auch kein Messer in die Hand drücken, weil dieses einfach nicht die Gefahr für sich und andere abschätzen kann. Es ist aber fatal, wenn man einem Kleinkind eine mörderische Aggression unterstellt, so wie sich das in den zitierten Zeilen andeutet. Kleinkinder neigen nicht natürlicherweise zu einer Freude am Leid anderer. Ich habe ganz im Gegenteil oft beobachtet, wie Kleinkinder andere trösten, wenn diese durch ihr verschulden oder das anderer zu Schaden kamen.

Aggression gehört in der Tat zur „menschlichen Verdrahtung“ und ist lebenswichtig, u.a. auch in Situationen, in denen Menschen direkt (existenziell) bedroht werden oder einfach auch, um anderen deutlich zu machen: „Du überschreitest gerade meine Grenze!“ Gewalt, Folter, Mord, Sadismus, Vergewaltigung, Genozid, Krieg, Kindesmisshandlung usw. all die Themen, die Pinker in seinem Buch abhandelt, sind aber etwas Eigenes und stehen auf einer ganz anderen Ebene, als „natürliches Aggressionspotential“. Natürlich bedarf es für Gewalt und Grausamkeit der „Hardware“, den Möglichkeiten, diese überhaupt auszuüben. Aber diese Hardware scheint mir ursächlich weit weniger relevant für Gewalt. Pinker schreibt dagegen: „Das meiste, was Menschen anderen Menschen antun, entspringt Motiven, die jeder normale Mensch in sich trägt. Daraus folgt, dass der Rückgang der Gewalt von Menschen ausgeht, die diese Motive seltener, in geringerem Umfang oder unter weniger Voraussetzungen in die Tat umsetzen. Die besseren Engel, die diese Dämonen unterwerfen, sind Thema des nächsten Kapitels. Aber schon wenn wir diese Dämonen identifizieren, vollziehen wir wahrscheinlich den ersten Schritt, um sie unter Kontrolle zu bringen.“ (S. 844f) Das erinnert wieder etwas an Freud und den eingangs zitierten Satz, nachdem Kultur die Triebe zähmt…

Obwohl sich Pinker mit allen möglichen Fragen und Ursachenmodellen für Gewaltverhalten aber auch Gewaltrückgang befasst, schreibt er letztlich resümierend: „(…) ich bin der Ansicht, dass die vielen Datenbestände, denen zufolge die Gewalt in Wellenlinien nach unten geht, ein bedenkenswertes Rätsel darstellen.“ (ebd.: 1030)
Mit einer wesentlichen Ursache von Gewalt hat er sich aber nicht befasst und man darf dreimal raten, welche das war: Kindliche Gewalterfahrungen. Warum er diesen Erfahrungen wenig Platz einräumt, wird an einer Stelle des Buches deutlich: (…) „Serienmörder kommen nicht durch eine erkennbare Veränderung, eine Schädigung des Gehirns oder Kindheitserlebnisse zu ihrer Nebenbeschäftigung. (Sie sind zwar in ihrer Kindheit häufig Opfer von sexuellem Missbrauch und körperlicher Misshandlung geworden, aber das gilt auch für Millionen andere Menschen, die nicht zu Serienmördern heranwachsen)“ (S. 813) Dieser Einwand ist klassisch und negiert komplett den möglichen Einfluss von kindlichen Gewalterfahrungen. Also braucht man dann auch nicht weiter darüber zu reden… Klassisch ist auch, dass sich Forschende nicht fragen, ob eine geliebtes, nicht-misshandeltes Kind später je zum Serienmörder und ähnlichem wurde.

Pinker selbst beschreibt auf etlichen Seiten den historischen Rückgang von Kindesmord, Prügelstrafen, Misshandlungen und Schikanen gegenüber Kindern, allerdings ohne daraus Schlussfolgerungen zu ziehen. (614ff) Und das, obwohl er fünf Bücher bzw. Texte von Lloyd deMause verwendet hat, er nach eigenen Angaben auch deMause persönlich kontaktiert hat, um sich Anregungen für sein Buch zu holen, Pinker einmal ein Zitat (ebd.: 816) anbringt, dass in der Quelle gleich vor dem Kapitel „Die historische Evolution der Kindererziehung und die Abnahme menschlicher Gewalt“ (vgl. deMause 2005: 162) steht und er deMause folgend folterähnliche Erziehungspraktiken bei japanischen Kindern beschreibt und dann in Klammern (!) anmerkt: „(DeMause, der nicht nur Psychohistoriker, sondern auch Psychoanalytiker ist, verfügt also über viel Material, mit dem er die Gräueltaten des Zweiten Weltkrieges erklären konnte.)“ (Pinker 2011, S. 636) Pinker klammert diese Erkenntnisse von deMause ein und dadurch wiederum aus. Für den Forschungsbereich Psychohistorie ist dagegen die sich historisch stetig verbessernde Kindererziehungspraxis der wesentliche Motor der Evolution von Psyche und Gesellschaft, von Fortschritt und Gewaltrückgang. (vgl. deMause 2005: 162ff; 179ff; 278ff) Es ist fast ausgeschlossen, dass Pinker nichts darüber erfahren hat. Nun ist es jedem Forschenden freigestellt, Dinge anders zu sehen und zu interpretieren. Pinker hat die psychohistorischen Thesen aber mit keinem Wort besprochen und kritisiert, so wie er dies mit anderen Ansätzen getan hat. Er hat sie einfach unter den Tisch fallen lassen.

Insofern fasse ich zusammen: Das Buch ist sehr bedeutend bzgl. der umfassenden und anschaulichen Datensammlung zum allgemeinen Rückgang menschlicher Gewalt und sollte in der Tat dazu anregen, die Zukunft optimistisch zu sehen. Das Buch beantwortet trotz seiner 1033 Seiten aber keine wesentlichen Fragen bzgl. der Ursachen von Gewalt und Gewaltrückgang. Letzteres ist für Pinker ein Rätsel und es wird ein Rätsel bleiben, wenn man sich blind macht gegenüber den gesellschaftlichen Auswirkungen, die eine sich stetig verbessernde Kindererziehungspraxis mit sich bringt. Pinker schreibt abschließend: „Der Rückgang der Gewalt dürfte die bedeutsamste und am wenigsten gewürdigte Entwicklung in der Geschichte unserer Spezies sein.“ (S. 1027) Ich würde es so formulieren: „Der stetige (allerdings ungleichzeitige) Rückgang der Gewalt gegen Kinder und der nachfolgende Rückgang anderer Formen von Gewalt und Destruktivität und auch die nachfolgende Evolution von Psyche und Gesellschaft dürften die bedeutsamsten und am wenigsten gewürdigten Entwicklungen in der Geschichte unserer Spezies sein.“

siehe ergänzend auch: Kurzer Email-Austausch mit Steven Pinker

Montag, 23. Januar 2012

Über mich und diesen Blog

Kontakt per Email: kindesmisshandlung (at) web.de

Bereits seit Ende 2008 existiert dieser Blog (intensiv befasse ich mich allerdings bereits seit ca. 2002 mit dem Thema Kindesmisshandlung und den entsprechenden Folgen). Ich fand es bisher nicht wirklich wichtig, mich näher vorzustellen und bin zudem sehr vorsichtig mit privaten Daten im Internet. Ursprünglich war der Blog von mir dazu gedacht, meinen „Grundlagentext“, den ich 2003 in einem politischen Seminar über die Kriegsursachen an der UNI Hamburg als Hausarbeit geschrieben und dann Stück für Stück in meiner Freizeit weiterentwickelt habe, öffentlich zugänglich zu erhalten. Das Ganze ist mittlerweile allerdings mehr geworden, als ein Ausläufer meines „Grundlagentextes“. Insofern wird es jetzt wohl auch Zeit, mich und meine Ziele näher vorzustellen.

Vorab und hier nachträglich eingefügt noch der Hinweis, dass Ende 2012 ein wissenschaftliches Arbeitspapier von mir an der UNI Köln veröffentlicht wurde: „Als Kind geliebte Menschen fangen keine Kriege an: Plädoyer für einen offenen Blick auf die Kindheitsursprünge von Kriegen.“ Das Papier gibt sehr gut den aktuellen Stand meiner Gedanken zu dem Thema wieder (mein "Grundlagentext" ist dagegen etwas überarbeitungsbedürftig!). Ich bin dem dortigen Fachbereich sehr dankbar, dass dieser Text dort veröffentlicht wurde. (Das Arbeitspapier wurde übrigens im Juli 2013 auch in die Bibliothek des Deutschen Bundestages aufgenommen - ohne mein Zutun.) Außerdem wurde eine von mir ergänzte und aktualisierte Version des Textes Ende 2016 im "Jahrbuch für Psychohistorische Forschung" ("SEIN und HABEN - Was uns bewegt", Band 17), dem Sprachrohr der "Gesellschaft für Psychohistorie und Politische Psychologie" bei der ich auch Mitglied bin, veröffentlicht.  Neben dieser wissenschaftlichen Arbeit gibt es noch eine veröffentlichte Rezension von mir im Jahrbuch für psychohistorische Forschung Band 16 über das Buch "Schmerzgrenze. Vom Ursprung alltäglicher und globaler Gewalt" von Joachim Bauer. Meine Arbeit beschränkt sich ansonsten auf die Veröffentlichungen in diesem Blog. Für die Zukunft plane ich ein Buch, in dem ich meinen Text "Als Kind geliebte Menschen fangen keine Kriege an" mit meinen wesentlichen Blogbeiträgen der letzten Jahre zusammenfüge.

Über mich:
Bereits meine mündliche Abiturprüfung 1996 habe ich über Hitler und Stalin gehalten, ohne allerdings damals den Einfluss von Kindheit auf politisches Verhalten erkannt zu haben. Der bedeutsame Einfluss von Kindheit auf die Politik und Gewaltverhalten ist mir erst später aus einem Mix von Begegnungen (sowohl privat als auch u.a. während meiner Zivildienstzeit in einer Drogentherapieeinrichtung) mit Menschen, die schwere Gewalterfahrungen erlitten haben und der Lektüre von Alice Miller und Arno Gruen klar geworden. Zudem war ich damals (ca. 2002) zutiefst schockiert, als mir erstmals das Ausmaß der Gewalt gegen Kinder in Deutschland an Hand von Studien bewusst wurde. Mit der Zeit habe ich verstanden, verstehen müssen, dass das, was wir aktuell an Gewalt gegen Kinder in Deutschland feststellen, ein Teil eines langen "psycho-evolutionären" Prozesses ist und das Kindheit noch nie so gewaltfrei in Deutschland war, wie heute. Dem ersten Schock folgte also ein quasi ein "historischer" Schock, indem ich mich mit der Kindheit in früheren Zeiten befasste. Von beidem habe ich mich mittlerweile ganz gut erholt und blicke heute mit mehr Ruhe auf die Dinge.

Merkwürdigerweise bin ich sehr spät (ca. Ende 2007) auf den Forschungsbereich Psychohistorie gestoßen, obwohl ich Miller und Gruen bereits kannte und auch über die historische Entwicklung der Kindheit in dem Buch „Hört ihr die Kinder weinen: Eine psychogenetische Geschichte der Kindheit“ von dem Psychohistoriker Lloyd deMause gelesen hatte. Ich dachte, gut, mehr zum Thema gibt es wohl kaum zu entdecken. Dann bekam ich das Buch „Das emotionale Leben der Nationen“ in die Hände und konnte meinen Augen kaum trauen, dass deMause eine komplette Theorie über die (emotionalen) Motivationen in der Geschichte verfasst hatte. Es gibt wirklich noch sehr viel mehr bzgl. des Themas zu entdecken, als ich ursprünglich dachte. DeMause hat vieles bei mir angestoßen. U.a. besonders wichtig finde ich seine Auffassung darüber, dass Kriege vor allem auch selbstmörderisch und selbstdestruktiv sind und sie unterbewusst der Reduzierung von Wohlstand und Wachstum dienen. Die komplexen (selbst-)destruktiven Folgen von Kriegen sind demnach das eigentliche Ziel. Mit dieser Sicht ergibt sich ein ganz anderes Bild und ein ganz anderer Zugang zu Krieg und Terror.

Ich habe über drei Jahre Soziologie (und auch etwas Politik und Psychologie) studiert und wollte eigentlich Gewaltforscher werden. Während des Studiums merkte ich für mich allerdings immer mehr, dass mich komplexe Gesellschaftstheorien zwar gedanklich anregten, aber mir keine grundlegenden Antworten bzgl. der Ursachen von Gewalt und destruktivem Verhalten gaben. Im Hauptstudium ergriff ich dann eine einmalige Gelegenheit, mich beruflich selbstständig zu machen, was eine gute Entscheidung war. Insofern habe ich beruflich nichts mit dem Thema des Blogs zu tun und das ist auch gut so für mich. Ich betreibe diesen Blog also rein „hobbymäßig“ als „Hobbygewaltforscher“. Wobei meine Herangehensweise an das Thema weitgehend dem entspricht, was unter "Psychohistorie" bekannt ist, ich sehe mich also auch als "Hobbypsychohistoriker".

Ich habe lange überlegt, ob ich an dieser Stelle etwas über meinen Großvater berichten soll. Mein Großvater väterlicherseits war ein überzeugter Nazi und bei der SS, wenn auch nicht in führender Position. Später kam er in russische Kriegsgefangenschaft. Sein Sohn, mein Vater, lag lebenslang im Streit mit ihm. Ich habe dies hier erst nachträglich eingefügt. Mein Zögern kommt daher, weil ich diese Familiengeschichte nicht - bzgl. meiner Arbeit hier - überbewerten möchte. Die o.g. Erfahrungen haben mich weit mehr geprägt, was meine Entwicklung hin zu diesem Blog angeht. Trotzdem steht natürlich auch fest, dass dieser NS-Großvater schon in meiner Jugend große Fragezeichen nach dem Warum? der NS-Zeit ausgelöst hat. Diese Geschichte gehört zu mir und meiner Familie und auch zu der Geschichte dieses Blogs. Insofern will ich sie - etwas verspätet - auch hier erwähnen. Zu diesem Thema gehört auch mein Beitrag "Die Kinder der NS-Täter und die Kindheit der NS-Täter".

Über meine eigene Kindheit kann ich sagen, dass ich keinerlei körperliche und sexuelle Gewalt erlebt habe. Ich erinnere mich allerdings daran, dass meine Mutter mir bestimmt 10 mal erzählt hat, sie hätte mir als ich ca. zwei Jahre alt war und weggelaufen sei, unter Schock als sie mich wiedergefunden hatte einen leichten Klaps auf den Windelpo gegeben. Sie schaute mich dann immer etwas fragend an, nach dem Motto: „Hoffentlich hat dir das nicht geschadet?“ Bei uns zu Hause gab es auch keine Strafen für irgendetwas, was ich mal falsch gemacht hatte. Ich bekam zudem sehr viele Freiheiten, durfte in der ganzen Wohnung spielen, mein Zimmer so nutzen (inkl. bemalen der Wände), wie ich es wollte, Freunde jederzeit mitbringen, draußen stundenlang unterwegs sein usw. Da meine Eltern selbstständig waren, waren sie für mich zu Hause auch immer erreichbar. Allerdings gab es auch deutliche Schatten, vor allem sehr heftige emotionale Spannungen und Streitigkeiten zwischen meinen Eltern und emotionale Probleme in der Familie. Dies hat mich nachhaltig geprägt und es hat mir auf jeden Fall geschadet. Ich weiß genau, warum ich in diesem Thema so viel gegraben habe. Was anfänglich sicher aus einer gewissen eigenen Betroffenheit heraus begann, ist mittlerweile zu einem Ziel geworden, das über persönlichen Erkenntnisgewinn hinausgeht: Gewalt gegen Kinder zu verhindern, ist für mich mehr, als ein reiner Akt der Menschlichkeit gegenüber konkreten Personen, es ist auch ein Akt der Sicherung einer friedlichen Zukunft für die nächsten Generationen, für meine Kinder und die später Ihrigen. Ich finde es zudem unerträglich, dass weite Teile der Öffentlichkeit immer mit einem hilflosen „Warum?“ vor grausamen aktuellen oder vergangenen Taten stehen, obwohl wir heute über enorm viel Wissen über die tieferen Ursachen der Gewalt verfügen.

Die Ziele dieses Blogs sind insofern ganz eindeutig:

1. Aufklärung über die weite Verbreitung der Gewalt gegen Kinder

2. Aufklärung über die Auswirkungen destruktiver Kindheiten auf späteres Verhalten (vor allem auch auf politisches Verhalten). Dabei auch Schaffung von einem Bewusstsein dafür, wie sich öffentlich in Bildern und Sprache (vor allem auch in den Medien) gewaltvolle Kindheiten wiederaufführen.

3. Motivation zu mehr Forschung und auch Berichterstattung in den Medien zu dem Thema

4. Motivation zu viel mehr gezieltem Kinderschutz, vor allem auch in den Krisenregionen dieser Welt. Würden z.B. westliche Rüstungsausgaben in den weltweiten Kinderschutz investiert, hätten wir innerhalb von 20-30 Jahren kriegerische Konflikte und andere Gewaltakte stark eingedämmt.


Positionierung

Ich bin trotz aller deutlichen Worte immer dafür, Menschen nach ihrem Verhalten zu beurteilen. Ich habe schon diverse absurde Vorschläge gelesen, z.B. von einem psychologischem Zwangstest für Politiker (wo man sich dann außerdem auch fragen muss, wie viel Macht einzelnen Gutachtern zukommt) oder auch die Forderung, Eltern von Gewalttätern quasi in Sippenhaft zu nehmen, da diese deren Verhalten verursacht hätten. Ich glaube dagegen vor allem an die Wirkung von Prävention in Form von Kinderschutz. Und ich glaube an die Eigenverantwortung der Menschen für ihre Taten. Ein als Kind gefolterter Mensch darf in seiner Fantasie alles Mögliche wünschen, Folter und Tod, Massenmord, was weiß ich alles. Es ist nur zu verständlich, wenn Menschen, die schwere Gewalt als Kind erlitten haben, Rache- und Hassfantasien entwickeln. Jeder Mensch kann aber in der heutigen Zeit um Hilfe bitten, wenn er seine Fantasien los werden will oder wenn diese gar drohen, in die Realität umgesetzt zu werden. Wer Verbrechen real begeht, gehört dafür juristisch zur Verantwortung gezogen, egal wie seine Kindheit aussah. (Dieses Thema habe ich auch in dem Beitrag "Fallbeispiel Beate Zschäpe: Opfer vom Opfer = kein Täter?" besprochen)

Googel liebt diesen Blog! 

Besonders stolz bin ich auf die extrem gute Googel-Positionierung des Blogs (Manchmal finde ich es fast schon gruselig, wie gut der Blog bei Eingabe diverser Stichwörter zu finden ist). Wer z.B. das Suchwort "Kriegsursachen" eingibt, wird gleich mit dem ersten Googel-Treffer auf diesen Blog hingewiesen. Bei allen möglichen Suchanfragen rund um Kindheit, Gewalt und Kriegsursachen landet mein Blog oftmals in den ersten 20 Treffer-Bereichen. Ich habe mittlerweile das Gefühl, dass jemand, der sich für Ursachen von Krieg und Gewalt interessiert und online sucht, zwangsweise mit diesem Blog in Berührung kommen wird. Es ist dann nur die Frage, ob das Thema auch ernst genommen wird und weiteres Interesse geweckt wird oder nicht. Auch PolitikerInnen, Wissenschaftlerinnen und Medienleute sollen ja gelegentlich googeln...Vielleicht wird der ein oder andere einflussreiche Mensch ja mal mit dieser meiner Sicht auf die Dinge in Berührung kommen. Aber auch jeder andere Mensch, den ich mit diesem Blog dazu bewegen kann, sich mehr mit der Thematik zu befassen, ist ein Gewinn.

Samstag, 21. Januar 2012

Alexander der Große und schwärmerische Historiker

Heute Morgen sah ich für ca. 15 Minuten in den Dokumentarfilm „Alexander der Große. Kriegsheld und Lebemann“ von Helen Fitzwilliam auf Phoenix rein. Über die Kindheit dieses grausamen Kriegsherren hatte ich früher bereits versucht etwas herauszufinden, doch es ist nicht viel darüber überliefert worden. Die enorme Brutalität dieses Mannes, seine Launenhaftigkeit und Trunksucht sollten bereits Indizien dafür sein, dass dieser Feldherr emotional schwer gestört war. Aufschlussreich fand ich, dass Alexander seinen Getreuen General Kleitos mit einem Speer bei einem Festgelage eigenhändig umbrachte, nachdem dieser nach Alexanders Monologen über seine Erfolge sinngemäß sagte, dass dies nur aufgrund der Leistungen seines Vaters Philipp II. möglich war.

Wahrscheinlich werden wir wohl nie wirklich erfahren, wie die Kindheit Alexanders aussah. Was mir in der Doku besonders auffiel ist (und das ist der Grund für diesen Beitrag), dass manche interviewten Historiker geradezu schwärmrisch über Alexander sprachen. Alexander überkehrte z.B. einst den Hindukusch, um in Baktrien einzufallen. In der Doku beschrieb ein Historiker die unmöglichen und lebensgefährlichen Bedingungen, die dieses Vorhaben mit sich brachte. Dann glänzten die Augen des Historikers: Doch nur „Alexander der Große“ (betont nach oben ausgesprochen) konnte eine solche Leistung vollbringen, sagte er in etwa. (Historiker übersehen oftmals, dass viele Feldherren im Grunde sterben wollen, dass sie selbstmörderisch handeln. Friedrich der Große kämpfte oft direkt neben seinen Soldaten und es ist nur seinem Glück zu verdanken, dass er im Kampf nicht starb. Hitler legte sich mit den größten Ländern der Welt an und konnte nur scheitern. Für diese beiden sind sehr gewaltvolle Kindheitserfahrungen belegt, die eine Todessehnsucht mit sich bringen. Kriege sind letztlich auch selbstmörderisch.) Ein Militärhistoriker von der US-Akademie „West Point“ erwähnte in der Doku die enorme Grausamkeit Alexanders, doch militärisch habe er letztlich alles richtig gemacht, sagte er nüchtern.

Ich frage mich, ob solche Historiker überhaupt den emotionalen Störungen und Kindheiten der von ihnen untersuchten Feldherren nachgehen wollen und können? Wer mit solcher Bewunderung über diese „militärischen Leistungen“ spricht, wird kaum einen Blick dafür haben.

Mittwoch, 11. Januar 2012

Zwischenmeldung: Entwicklung des Blogs

Derzeit habe ich immer öfter tägliche Besucherzahlen von um die 200, was ca. 6.000 Besucher pro Monat bedeutet, sofern dieser Trend anhält. Diese Zahlen sind sicherlich auch der extrem guten Googel-Positionierung zu verdanken, die dieser Blog hat. Mittlerweile dürften die meisten Menschen, die entsprechende Suchbegriffe bzgl. Krieg, Kriegsursachen, Kindheit und/oder Gewalt gegen Kinder eingeben, auf diesen Blog aufmerksam werden. Bei vielen Suchbegriffen wird der Blog innerhalb der ersten 10 Googel Treffer angezeigt.

Mich freut diese Entwicklung natürlich, auch wenn sie etwas den Druck bzw. die Motivation erhöht, hier anspruchsvolle Texte abzuliefern. Ich selbst sehe meine Möglichkeiten dabei begrenzt, da ich das ganze hier „hobbymäßig“ betreibe. Im Grunde ist vieles, was ich schreibe, auch eher als Anregung gedacht, sich vertiefend mit dem Thema zu befassen und bzgl. Medienleuten und Wissenschaftlern als Ansporn gemeint, dazu mehr zu veröffentlichen und zu forschen. Auch wenn ich relativ selten Rückmeldungen bekomme, ich denke, dass ich einen kleinen Teil dazu beitragen kann, dass Gewaltverhalten besser verstanden wird. Wenn dem dann auch Prävention folgt, ist sehr viel erreicht. Für eine bessere Welt.