„Kein Blut für Öl!“ war der Slogan, der im zweiten Golfkrieg 1990/1991 galt und der auch nach dem dritten Golfkrieg ab 2003 oft zu hören war. Die USA führten in Wahrheit Krieg gegen den Irak – so wird behauptet - , weil es im Grunde um Öl ginge. Die Benennung von zweckrationalen, ökonomischen Beweggründen für den Krieg erfreuen sich weiter Verbreitung.
Wenn es um ökonomische Gesichtspunkte geht, muss man sich zu allererst die Zahlen anschauen:
Im Jahr 2003 – dem Jahr, in dem der Krieg begann – importierte die USA insgesamt ca. 4.476.501.000 Barrel Rohöl und Ölprodukte. Nur 175.663.000 Barrel kamen dabei aus dem Irak, was einem Anteil von 3,92 % ausmacht. (http://www.eia.doe.gov/; eigene Berechnung auf Grundlage der vorliegenden Daten) Bezieht man mit ein, dass die USA 2003 auch 2.073.454.000 Barrel selbst förderten und herstellten, dann macht der Anteil der Importe aus dem Irak gegenüber der Gesamtmenge, die der USA zur Verfügung standen, gerade einmal 2,68 % aus.
Ab 2003 war der Irak von den Truppen der „Koalition der Willigen“ besetzt, Saddam wurde gestürzt. Doch was geschah in der Folge mit den Ölimporten? Folgt man der These vom Ölkrieg, müsste doch eine Ausbeutung der Ölfelder seitens der USA einsetzen. Schaut man sich die Importe zwischen 2004 und 2009 an, dann hält sich der Anteil an der Gesamtimportmenge allerdings wacker um die 4 % (wie im Jahr 2003). In den Vorjahren zwischen 1999 und 2001 lagen die Importe in absoluten Zahlen (Im Mittelwert um die 260.000.000 Barrel ) sogar etwas höher als in den Jahren nach dem Krieg. Der Irak ist und war was das ÖL angeht für die USA offensichtlich von geringerer Bedeutung.
In einem Artikel in der Zeitschrift „Internationale Politik“ vom März 2003 (http://www.dgap.org/fi/europa/transatlantische_beziehungen/publikationen/view/d2f8c9f8ceb211daa2e819156dc160fb60fb.html) wurde darauf hingewiesen, dass weltweit etwa 77,4 Millionen Barrel Rohöl pro Tag (B/T) produziert werden, davon produziert der Irak etwa 2,0 (also ca. 2,58 %) Millionen B/T. Auch diese Zahl zeigt, dass die Ölproduktion des Irak nicht eine dominierende Rolle spielt und ein Ausfall der Rohöllieferungen keine Bedrohung der Weltwirtschaft darstellen würde. Es ist ganz im Gegenteil vielmehr so, dass die ökonomische Abhängigkeit des Iraks vom Ölexport um ein Vielfaches höher ist, als die des Westens von Ölimporten aus diesem Land. Die wichtigsten Exportgüter des Iraks sind Erdöl und Erdgas. Mehr als 90 Prozent der Staatseinnahmen stammen aus deren Ausfuhr. (http://www.wp-irak.de/index.php/wirtschaft/export) Ein Ausfuhrstopp hat fatale Folgen für den Irak, was das frühere Embargo zeigte.
Wenn der Irak 2 Mio Barrel pro Tag produziert, dann sind das im Jahr 730 Mio Barrel. Davon gingen in den letzten Jahren ca. 200 Mio Barrel pro Jahr an die USA, was einen Anteil von ca 27 % des irakischen Rohöls ausmacht. Wer ist hier also von wem abhängig?
Man kann über die USA viel sagen und schreiben, das Land ist allerdings faktisch eine Demokratie und wir leben nicht mehr im Mittelalter. Es ist klar, dass ein „Raubbeutefeldzug“ durch die USA nicht möglich wäre. Man stelle sich das Szenario vor: Die USA besetzten unter einem Vorwand den Irak, erbeuten alle Ölfelder, steigern die Produktion und liefern das Öl prompt und ohne dafür zu bezahlen als „Kriegsgewinn“ in ihr Heimatland… Dies entspricht nicht der heutigen Realität. Ein Artikel in der ZEIT-Online zeigt, wie aktuell die Regeln des Marktes gelten, wenn es um Öl im Irak geht. Bei der Versteigerung von Ausbeutungsrechten hatten die Chinesen die Nase vorn, einfach weil sie das bessere Angebot machten. „Die irakische Regierung kann es sich derzeit gar nicht leisten, die Alliierten bei Ölverträgen zu bevorzugen. Die Stimmung in der Bevölkerung ist zu antiamerikanisch.“, schreibt die ZEIT. (http://www.zeit.de/2010/12/Irak-China-USA)
Das Öl scheint also auf Grund der Faktenlage im Grunde nicht eine entscheidende Rolle in dem Konflikt zu spielen. Der Wirtschafts-Nobelpreisträger Joseph Stiglitz hat die Kosten des Irakkriegs hochgerechnet und ist auf eine Summe von 3 Billionen US-Dollar gekommen. (http://www.zeit.de/online/2008/09/stiglitz-irakkrieg-kosten?page=1) Der Ökonom stellt auch fest, dass der Irakkrieg die Ökonomie der USA eher verlangsamen werde.
Warum „investieren“ die USA 3 Billionen Dollar (Mit dieser Summe könnte man z.B. auf einen Schlag die gesamte Staatsverschuldung Deutschlands tilgen und hätte dann immer noch richtig viel Geld übrig) in einen Krieg, der ihnen keine Rendite einbringt, der die eigene Wirtschaft schwächt und das Ansehen der USA in der Welt schwer beschädigt hat (was ggf. auch wirtschaftlich negative Effekte nach sich ziehen könnte)? Diese Frage sollen mir mal all die vielen KriegsursachenforschrInnen und JournalistInnen beantworten, die Krieg als eine zweckrationale, ökonomische Handlung deuten.
Wissenschaftler skizzieren erstmals in einem detaillierten Konzept namens "Solar Grand Plan", wie die USA bis 2050 mit Solarstrom versorgt werden kann - der Bau von Mega-Sonnenkraftwerken sei keineswegs unrealistisch, schreibt SPIEGEL-Online. Dafür müssten große Landflächen mit Solarmodulen und thermischen Parabolrinnenanlagen überdeckt und eine Haupttrasse für den Transport von Gleichstrom errichtet werden. Die nötige Technologie gibt es, und sie ist anwendungsreif. Mit dem Konzept ließe sich im Jahr 2050 rund 70 Prozent des Strombedarfs und 35 Prozent des Gesamtenergiebedarfs einschließlich Transport- und Verkehrswesen der USA aus Solarenergie erzeugen. Um das bis 2050 zu realisieren, müsste die Regierung in den kommenden 40 Jahren 420 Milliarden US-Dollar investieren. (http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,539315,00.html) Diese Summe stellt nur einen Bruchteil der Irakkriegskosten dar. Die USA hätten ihre Unabhängigkeit vom Öl rasant ausbauen können, wenn sie logisch gehandelt hätte.
Ich selbst glaube, dass man die Dinge so sehen muss, wie sie sind. Der Irakkrieg macht rational und erst recht ökonomisch keinen Sinn. Seine tieferen Gründe müssen also emotionaler Natur sein.
siehe ergänzend:
- Irakkrieg: Das Märchen vom Krieg ums Öl- Teil 2
- Der Golfkrieg als emotionale Störung
Mittwoch, 21. April 2010
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)



Kommentare:
Ich bin ebenfalls zu Ihrer Analyse gekommen, dass es sich bei dem Irakkrieg nicht um einen Krieg um Öl handeln kann. Schon allein die Interessenlage der Familie Bush, die im Erdölgeschäft großen Reichtum erlangte, spricht dagegen. Denn je knapper das Angebot, desto höher die voraussichtlichen Profite.
So unglaublich es klingt, sieht es mir danach aus, als ob es sich in der Tat um einen Feldzug des Guten gegen das Böse handelt, um Allmachtsphantasien.
Mag sein, dass das Öl nur Nebengeschäft war, aber bei geschätzten 3-5 Billionen Dollar 'Kriegskosten' auf Pump wollen Sie von einem Feldzug des 'Guten gegen das Böse' sprechen? Profiteure sind die Inhaber der 'geretteten' Banken, dafür müssen wir blechen, und natürlich der Militärisch-Industrielle-Komplex und Wiederaufbau-Unternehmen, die die gezielt zerstörte Infrastruktur des Iraks wiederaufbauen sollen. Bis zum nächsten Krieg.
Über die 'Allmachtsphantasien' der USA können wir aber reden.
Lieber Autor diesen Artikels! Das ist ein großartiges Statement. Hätte ich das mal früher gelesen... Wirklich, vielen Dank für die Mühe und vor allem dafür, diese gedanken und Fakten mit der Welt zu teilen.
Danke!
Kriegen werden von der davon profitierenden Industrie initiiert, wer glaubt wirklich an redliche Motive ? Es geht nur und zwar immer nur ums Geld. Die amerikanische Rüstungsindustrie hat den größten Reibach dabei gemacht und letztlich die Finanzinstitute die am Erhalt des Dollars als internationale Leitwährung (besonders fürmden Öl-Welthandel) erhalten wollte. Mission acomplished!
Lese-Tip: http://www.zeitenschrift.com/news/golfprofit.htm
Kommentar veröffentlichen