Samstag, 11. Dezember 2010

Vergiftete Staaten von Europa? Der mögliche Sinn hinter dem "letzten Gefecht"

Vergiftete Staaten von Europa“ betitel SPIEGEL-Online einen aktuellen Artikel. Der Artikel gehört zum SPIEGEL-Titelthema der Printausgabe. „Das letzte Gefecht“ ist da auf dem SPIEGEL Cover groß zu lesen. Abgebildete ist eine zweifach zerschossene EURO-Münze (getroffen wurden Irland und Griechenland) und zwei weitere Pistolenkugeln, die auf den EURO zurasen. „Das «letzte Gefecht» um den Euro“ titelt dann auch in der Folge z.B. die Basler Zeitung. „Führende europäische Zeitschriften wie «Spiegel» und «Economist» überbieten sich bereits mit dramatischen Titeln zum Ausgang der Eurokrise.“, schreiben die Basler. „Der «Economist» zeigt einen Mann im Anzug, der sich eine Pistole an den eigenen Kopf hält, dieser Kopf besteht aus einer Euromünze. Betitelt ist die Seite mit «Don’t do it – what breaking up the Euro would mean».” presseurop übersetzte den Economist Artikel und titelt: „Wenn Euroland Selbstmord begeht“. In dem Artikel ist auch das Cover des Economist zu sehen. „Für die Banken sterben? Nein danke!“ wird ein aktueller Artikel aus das „Freie Rumänien" bei presseurop übersetzt. Ich denke, dass sich derzeit noch mehr Artikel mit derartigen Schlagzeilen finden ließen.

Wenn das Wort „Gift“ oder „vergiftet“ im Zusammenhang mit politischen oder ökonomischen Prozessen auftaucht, dann werde ich mittlerweile sehr aufmerksam. Im vorherigen Beitrag hatte ich auf einen ZEIT-Artikel hingewiesen. Bzgl. der Gewalt gegen Kinder schrieb die Autorin den wahren Satz: „Den Kindern aber, die wie Hauspflanzen keine Wahl haben, zu entscheiden, wo sie leben, bleibt nichts übrig, als das vergiftete Wasser aus der Gießkanne im Elternhaus in sich aufzunehmen.“ Auch Lloyd deMause spricht häufig von „Gift“ und vor allem von „Giftcontainern“ im Zusammenhang mit Gewalt gegen Kinder. „Giftcontainern“ sind die menschlichen Opfer (durch Kriege, Gewaltkriminalität und ökonomische Krisen erzeugt) , die gebracht werden, um bzgl. traumatischer Kindheitserfahrungen (das „Gift“) kurzfristig Erleichterung zu verspüren und sich zu „reinigen“. „Vergiftete Kindheit: Elterliche Macht und ihre Folgen“ nannte die Psychotherapeutin Susan Forward ihr Buch, in dem sie in anschaulicher Sprache über die Auswirkungen elterlicher Gewalt berichtet. Das Thema „Gift“ und „Kindheit“ ist also in der Tat etwas, was bildlich die Folgen der Gewalt gut beschreibt. Wenn dieses „Gift“ dann in den Medien und politischen Reden auftaucht, macht es Sinn, hier Zusammenhänge zur (destruktiven) Kindheit zu vermuten.

„Vergiftete Staaten von Europa“? Macht dieses Bild wirklich Sinn in Bezug auf die EURO-Krise? Darüber lässt sich sicher streiten. Ganz rational betrachtet, finde ich nicht, dass Gift und Probleme in der Geldpolitik bildlich wirklich zusammenpassen. Erinnern wir uns an dieser Stelle auch an die letzte Krise im Jahr 2009. Von „toxischen Wertpapieren“ war da häufig die Rede. Wertpapiere können ihren Wert verlieren und Verlust einbringen. Können sie auch giftig sein? Eher nicht. Wertpapierverluste im großen Rahmen können vielleicht einen Dominoeffekt auslösen. Aber können sie auch Gift verbreiten?
„Vergiftete Staaten“ und dann in großen Titelbuchstaben „Das letzte Gefecht“. Was soll das mit dem Gefecht, habe ich mich gefragt? Der EURO-Raum erlebt gerade eine Krise seiner Währung (wohl eher auch eine Krise der Emotionen). Das Bild „letzte Gefecht“ macht nach meiner Meinung auch hier keinen Sinn. Dieses Bild hat doch eher etwas mit Kampf und Krieg zu tun, als mit Problemen in der Geldpolitik und der Überschuldung. Die Eurozone ist eine Solidargemeinschaft, trotz aller aktueller Probleme und Streitigkeiten. Hier geht es so gar nicht um einen Krieg oder ein Gefecht in Europa. Zudem zeigt die Geschichte, dass es immer wieder Währungskrisen gibt. Diese Krise wird also nicht die „letzte“ sein und sie wird sicher auch keine Menschen in Europa töten.
„Das letzte Gefecht“ ist übrigens auch der deutsche Titel von einem Stephen King Buch. Ein biologischer Kampfstoff (Virus, also wieder eine Art „Gift“!) tötet in der Geschichte fast alle Menschen (99,4%) auf der Welt. Die wenigen Überlebenden spalten sich in zwei Gruppen, in „Gut“ und „Böse“. Die Konflikte der Parteien finden ihren Höhepunkt schließlich in der Explosion einer Atombombe im Lager der „Bösen“. Eine apokalyptische Katastrophe wie bei Stephen King ist die EURO-Krise sicher nicht. Warum solche Wortgewalt? Warum Pistolenschüsse auf Europa? Warum Selbstmordgedanken und Angst zu sterben?

Medienbilder, Wirtschaftkrisen und destruktive Kindheitserfahrungen. Diese Dinge zusammen zu betrachten, ist etwas relativ neues, auch für mich. Für mich bleibt die Analyse von solchen Bildern und Worten weiter spannend. Ich kann dem nur lückenhaft nachgehen, finde es aber wichtig, überhaupt auf solche möglichen Zusammenhänge hinzuweisen und gedankliche Anregungen zu geben.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

habe mich jetzt etwas durch diesen blog gelesen. ziel sympathisch, manches findet meine volle zustimmung, bei manchem möchte ich widersprechen und wünsche mir produktive und intensive auseinandersetzung.

geht das?

habe probeweise bei einem älteren posting einen längeren kommentar hinterlassen:

http://kriegsursachen.blogspot.com/2010/06/medusas-kinder-in-der-antike.html

antwort würde mich interessieren.

jojo hat gesagt…

es gibt seit zwei jahrhunderten bei politikern den traum, der staat könne die familie zertrümmern, die kindeserziehung ganz in seiune hände nehmen und männer wie frauen als arbeitskräfte an der produktionsfront einsetzen.

viel hat der staat schon erreicht. er dient dabei aber nicht - wie es zur zeit aussieht - wirklich den frauen und müttern, er setzt diese und den feminismus ein, um den klassischen schlussstein der familie, den vater, aus dieser herauszubrechen. was übrig bleibt, ist bekannt. den fragmentierten restfamilien die kinder wegzunehmen wird leichter werden, dass daraufhin gearbeitet wird, ist offensichtlich.

stand der dinge: immer mehr väter sind unterhaltssklaven für eine familie, mit der sie keinen kontakt haben dürfen. nach den vätern kommen nun langsam die mütter dran. den frauen wird eingeredet, es sei "emanzipation", sich und seine zeit an arbeitgeber zu verkaufen. (historischer vergleich: männer wurden in die produktion gebracht NICHT mit dem schlagwort "emanzipation", sondern mit der AUFGABE, für ihre familien zu schuften. bergwerke oder, heutzutage, putzkolonnen, haben mit "emanzipation" nichts zu tun, die in solcher arbeit gefangenen träumen von der emanzipation vom arbeitszwang). hartz iv beinhaltet die noch nicht vollständig ausgeschöpfte möglichkeit zur zwangsarbeit auch für mütter. kinderkrippen sind im aufbau, die frauen dazu "befreien" sollen, in die lohnarbeit gezwungen werden zu können. der strukturelle lohnabstand zwischen männern und frauen wird dabei zur allgemeinen lohnangleichung nach unten genutzt werden - da ein und sei es nur geringer lohnabstand bleiben wird allein wegen schwangerschaftsausfällen (z.z. auch wg. des unterschiedlichen renteneintrittsalters), ist die bewegung nach unten endlos fortsetzbar. quotenfrauen dienen dazu, den sklavinnen königinnen zu zeigen, mit denen sie sich identifizieren können, um ihrem schicksal sinn abzugewinnen - es geht nicht um frauen "oben", sondern um die motivation der möglichst billigen arbeitskaft "unten". krippen und jugendamt werden nach und nach den nachwuchs übernehmen und "richtig" erziehen. der sinn "gendergerechter" erziehung: eigenschaften, die auf späteres rebellisches oder auch nur originelles verhalten schließen lassen könnten, werden mit allen mitteln unterdrückt - vom chemieeinsatz bis zu lebenszerstörungseinrichtunngen (sonderschulen, heime). die hochgelobten "weiblichen" eigenschaften sind systemschützende angepasstheit und willigkeit.

jojo hat gesagt…

FORTSETZUNG:

jedes system hat seine blinden flecken. in diesem fall drei:

1. die bekannte demographische situation. warum unter diesen umständen noch kinder kriegen?

2. zwei jahrhunderte verbrauch von männern in den schlünden der industrie haben diese verändert. produktion funktioniert heute anders, man braucht eigentlich das heer von arbeitssklaven nicht mehr, für das diese vision entwickelt wurde. ihre umsetzung kommt ökonomisch zu spät - überdeckt aber die im system inhärente verteilungsfrage: der gesamtgesellschaftliche reichtum wird immer größer, ohne dass alle davon proportional gerecht abbekommen (ich will hier nicht über "gerechten lohn" diskutieren, arbeitslohn im billigbereich, der 40 h arbeitende zu bittstellern beim amt macht, kann aber kaum noch "gerecht" sein und ist auch, nimmt man die dadurch verursachten verwaltungskosten hinzu, volkswirtschaftlicher schwachsinn. schützt aber die hierarchie). die sklaven werden, um sie ruhig halten zu können, eingesetzt in zunehmend unpropduktiven und sinnlosen bereichen (praktika in der "dienstleistungsgesellschaft", von zwangsabgaben finanzierte medien mit ihrem heer an feischaffenden akademikern auf materiellem prekariatsniveau).

3. immer mehr männer machen nicht mehr mit - sie sehen den preis, den ihr geschlecht über zwei jahrhunderte bezahlt hat und sehen, dass es dank so schöner dinge wie der erhöhten erwerbsobliegenheit immer schlimmer wird. die feministische verbrämung des systems und die tatsache, dass mit dieser tatsächlich in den privatleben geschlechterkrieg gefördert und ideologisch zur unerbittlichkeit aufgeladen wird, bringt freilich die gefahr mit sich, dass sie über dem nur vordergründigen staatsfeminismus die grundlegenderen strukturen übersehen.

weder der feminismus noch der kampf gegen den feminismus schadet dem system. solange männlein und weiblein sich gegeneinander ausspielen lassen, kann es weiterfunktionieren - bis zum demographischen untergang...

Sven Fuchs hat gesagt…

@JoJo

Irgendwie hast Du für deinen etwas wirren Kommentar wohl den falschen Beitrag gewählt?!