Dienstag, 14. April 2026

Die Kindheit von Jane Goodall

Viel zu selten habe ich die Zeit, mich mit bekannten Menschen zu beschäftigen, die eine weitgehend glückliche Kindheit hatten. Jane Goodall war ein solcher Mensch. 

Meine Quelle: Goodall, Jane (2021). Grund zur Hoffnung. Autobiographie. Goldmann Verlag, München.

Ihre Berichte über ihre Kindheit sind natürlich viel umfangreicher, als ich es hier darstelle. Ich fokussiere mich hier nur auf die Details, die deutlich machen, wie der glückliche Grundrahmen für das Kind aussah. 

Jane Goodall hat zudem sehr deutlich ihre Kindheit in einen Zusammenhang zu ihrem außergewöhnlichen Lebensweg gesetzt, was diese Autobiographie besonders interessant macht.

Ich stelle hier einfach die für mich zentralsten Auszüge unkommentiert vor. Jeder Leser und jede Leserin kann sich so ein Bild machen und diese Kindheit auch einordnen. 

Ich selbst möchte nur eines anmerken: Solche Kindheitsgeschichten geben mir "Grund zur Hoffnung"!

Zweifellos haben mich die Erziehung, die Familie, in die ich hineingeboren wurde, und die Ereignisse, die sich in meiner Kinderwelt abspielten, zu der Person geprägt, die ich werden sollte. Meine Schwester Judy (…) und ich wuchsen in einer Atmosphäre auf, die sanft durchdrungen war von christlichen Moralvorstellungen. (…) Von Anfang an wurde uns die Bedeutung menschlicher Werte wie Mut, Ehrlichkeit, Mitgefühl und Toleranz nahegebracht“ (Goodall 2021, S. 22 + 23). 

An anderer Stelle schreibt sie passend: „Wie die meisten Kinder, die glücklich aufwachsen, hatte auch ich nie Grund, die religiösen Überzeugungen meiner Familie anzuzweifeln“ (S. 32). 

Wir hatten satt zu essen, genügend Kleidung und wuchsen in Liebe mit viel Lachen und Spaß auf. Im Grunde erlebte ich die beste Art von Kindheit: Da jeder Pfennig zählte, waren Extras wie Eiskrem, eine Reise mit dem Zug oder ein Kinobesuch ein aufregender Hochgenuß, der geschätzt wurde und in Erinnerung blieb. Wenn doch jeder mit einer solchen Kindheit, mit einer solchen Familie gesegnet wäre! Ich glaube, dann sähe es anders aus in unserer Welt“ (S. 23)

Ich hatte eine Mutter, die meine Leidenschaft für Tiere und Pflanzen nicht nur tolerierte, sondern mich darin unterstützte und die mich, was noch wichtiger war, an mich selbst glauben lehrte“ (S. 23f.). 

Goodall erzählt dann eine Geschichte aus ihrer frühen Kindheit. Sie hatte Regenwürmer mit ins Bett genommen. Die Mutter schimpfte nicht sondern erklärte, dass die Regenwürmer sterben werden, wenn sie hier im Haus bleiben würden. Jane brachte die Würmer dann schnell wieder nach draußen (S. 25).

Eine weitere Anekdote aus ihrer Kindheit stammt von der Zeit, als sie vier Jahre alt war. Während des Besuchs der Großmutter auf deren Bauernhof stellte sich für Jane die Frage, wo denn die Eier herkommen. Wo war an einem Huhn eine Öffnung, die groß genug war, dass dort ein Ei herauskommen konnte? Sie versteckte sich dann in einem Stall und wartete ca. vier Stunden lang, bis sie eine Henne beim Eierlegen beobachten konnte. Die Familie hatte das Kind die ganze Zeit gesucht und sogar die Polizei verständigt. „Meine Mutter, die mich immer noch suchte, sah plötzlich mich aufgeregtes Mädchen zum Haus rennen, und trotz der Sorgen, sie sie sich gemacht hatte, schalt sie mich nicht aus. Sie bemerkte, dass meine Augen leuchteten, setzte sich zu mir und hörte sich an, wie ein Huhn ein Ei legte und was für ein Wunder es war, als das Ei schließlich aufs Stroh fiel. Bestimmt hatte ich großes Glück, eine solche Mutter zu haben (…)“ (S. 27). 

Der Zweite Weltkrieg trübte das Bild ein. Ihr Vater zog freiwillig in den Krieg. Die Kinder hörten das Donnern der Flugzeuge und Bombeneinschläge. Direkte Einschläge erlebte sie nicht, aber einmal wäre sie außerhalb des Hauses fast von einer Bombe getroffen worden, wenn nicht eine glückliche Fügung ihr einen anderen Weg gezeigt hätte. Sie schreibt: „Obgleich mein Leben noch immer von Liebe und Sicherheit erfüllt war, kam mir allmählich zu Bewusstsein, dass es noch eine andere Welt gab, eine harte, bittere Welt des Leidens, des Todes und der menschlichen Grausamkeit“ (S. 35). 

Als Jane zwölf Jahre alt war, ließen sich ihre Eltern scheiden. Die Kriegsbedingte lange Trennung vom Vater brachte es mit sich, dass sich für Jane - nach ihren Worten -durch diese Trennung im Grunde nicht viel für sie änderte. (S. 39). 

Freitag, 30. Januar 2026

"Trump, Musk, Vance: Männer, arbeitet eure Kindheitstraumata auf!"

 "Männer, arbeitet eure Kindheitstraumata auf!"

Was für ein Titel auf SPIEGEL-Online!

Solcher Art Artikel sind seltene „Perlen“ (aus psychohistorischer Sicht) in der deutschen Medienlandschaft. Grund genug für mich diesen Artikel durch einen kurzen Blogbeitrag hervorzuheben. 

In den letzten zwei Jahrzehnten habe ich schon mehrfach versucht, den Redaktionen von Polit-Talkshows (und auch Redaktionen von Leitmedien) nahe zu bringen, was Zykunov schreibt: 

"Warum sitzen in diesen Runden keine Psycholog*innen als Experten? Ist es nicht offensichtlich, dass es sich bei US-Präsident Trump, seinem Vize JD Vance, Elon Musk oder einem anderen außer Kontrolle geratenen Kerl um ein »Man-Child« handelt? (…) Am Ende scheint es bei vielen von ihnen um Daddy-Issues, um all die durch emotionale Vernachlässigung verursachten Empathiestörungen, Machtfantasien, Rachegelüste und Beratungsresistenzen zu gehen. "

Sprich: Warum werden die traumatischen Kindheiten dieser Akteure nicht besprochen?

Zykunov zitiert den Kinderarzt und Autor Herbert Renz-Polster aus seinem neuen Buch „Demokratie braucht Erziehung. Warum der Widerstand gegen autoritäre Strömungen schon in der Kindheit beginnt“ (das ich ebenfalls gelesen habe) bzgl. der destruktiven Kindheiten von Trump, Vance und Musk. Deren furchtbare Kindheiten führt sie in dem SPIEGEL-Artikel recht ausführlich aus. Renz-Polster hat sämtliche Infos dazu wiederum von mir und hat mich in seinem Buch auch entsprechend zitiert. „Kindheiten sind politisch“, zitiert sie Renz-Polster, der dies ebenfalls von mir abgeleitet hat. 

Meine Freude über den Artikel wird nur durch eine Sache etwas getrübt. Ich selbst lese jeden Tag auf SPEIGEL-Online. Der Artikel wurde am 27.01. ca. 18.30 Uhr online gestellt. Am Morgen des 28.01. habe ich ihn bei meiner Durchsicht von SPIEGEL-Online gar nicht entdeckt! Erst ein Bekannter machte mich später auf den Artikel aufmerksam. Der Artikel war auf der SPIEGEL-Homepage ganz unten unter "Alle Rubriken". Irgendwie wieder klassisch, dass das Thema gesehen werden will und wiederum auch nicht...

----------------------------------------------------

Zum Weiterlesen:

Kindheit von Donald Trump hier und hier

Kindheit von J. D Vance

Kindheit von Elon Musk