Mittwoch, 11. Mai 2011

Die Symbolik des Codenamens "Geronimo"

Derzeit ließt man hier und da, dass sich einige Vertreter amerikanischer Indianer über den Codenamen „Geronimo“, der für die Operation gegen Osama bin Laden gewählt wurde, empören. Geronimo war ein Häuptling der Apachen, der Ende des 19. Jahrhunderts mehrere Jahre gegen die Truppen der USA und Mexikos kämpfte, bis er sich 1886 ergab.
Der gewählte Name „Geronimo“ mag die Gefühle der heutigen Indianer zu Recht verletzen. Für mich symbolisiert diese Namenswahl allerdings noch mehr. Der echte Geronimo stand zwar für Widerstand der Indianer, dieser Widerstand war allerdings ein aussichtsloser und zum Scheitern verurteilter. Ende des 19. Jahrhunderts war die ursprüngliche Lebensart der Indianer endgültig zerstört und sie mussten ihr Leben in Reservaten dahin fristen. Die nordamerikanischen Indianer waren im Rückblick die damaligen „Giftcontainer“ der Weißen. „Wilde“, „Untermenschen“, die man jagen und töten durfte (sogar für staatlich bezahlte Kopfgelder).

Auch heute noch sind die Vereinigten Staaten von Amerika ständig auf der Suche nach „Feinden“, nach Giftcontainern, um die Erinnerungen an traumatische Kindheitserfahrungen abzuwehren bzw. diese außen wiederaufzuführen. Im letzten Irakkrieg wurden mindestens über 100.000 Zivilisten getötet. (siehe zusätzlich auch "Der Golfkrieg als emotionale Störung“) In Afghanistan sind die Zahlen bisher noch unklar. Osama bin Laden war DAS neue Feindsymbol nachdem der Ostblock zusammengebrochen war. Amerika brauchte das Symbol bin Laden, um nicht verrückt zu werden und innerlich zu zerfallen. Im 19. Jahrhundert wie heute sind Kriege Ausdruck von emotionalen Zerfall und der Suche nach Giftcontainern, um diesem Zerfall entgegenzuwirken. Damals waren die Indianer die „Feinde“ und Geronimo der letzte große feindliche Anführer. Heute ist die Situation etwas anders. Bin Ladens Tod wird den Terrorismus nicht beenden. Vielmehr stehen wir wohl eher am Anfang einer Epoche des Terrors. Der Auftrieb des Terrors ist allerdings eng verknüpft mit der Politik der USA, was jeder, der die Entwicklungen der letzten Jahre und Jahrzehnte etwas in den Medien verfolgt, leicht feststellen kann. Gleichzeitig sind die USA selbstgewählte Hauptkämpfer gegen den Terror. Wer Feinde sucht und im Grunde auch generiert, um sie dann zu bekämpfen, muss sich fragen lassen, ob das Kämpfen und Töten nicht das eigentliche Ziel des politischen Handelns ist.

Die Indianer waren die damaligen Giftcontainer, heute sind definierte Terroristen und die Bevölkerung drum herum die neuen Giftcontainer. Die Namenswahl „Geronimo“ für Osama bin Laden spricht insofern Bände und zieht eine rote Linie zu den Inianerkriegen. Dabei ist es keine Frage, dass die Person bin Laden ein realer Terrorist war. Mir geht es hier um die Symbolik, die Rückschlüsse auf emotionale Prozesse zu lässt.

Nebenbei fand ich eine Info auf wikipedia interessant. Prescott Bush, Vater von George H. W. Bush und Großvater von George W. Bush, soll im Mai 1918 den Schädel des Apachen-Häuptlings Geronimo aus dem Fort Sill bei Oklahoma eigenhändig mit fünf anderen Bonesmen aus vier Jahrgängen ausgegraben und ihn als Geschenk der Bruderschaft Skull & Bones präsentiert haben. Enkelkind George W. startete bekanntlich den Krieg gegen den Terror und befahl die Jagd auf bin Laden. Kürzlich wurde unter Obama „Geronimo“ alias bin Laden getötet. Eine erschreckende Symbolik.

Kommentare:

Stefan Wehmeier hat gesagt…

Der folgende Vortrag aus dem Jahr 1916 ist heute aktueller denn je. Im Unterschied zu allen Oberflächlichkeiten, die so genannte Friedensforscher bis heute hervorgebracht haben, wird hier erstmals die wirkliche Ursache der Bürger- und Völkerkriege auf wissenschaftlicher Grundlage erklärt: eine seit jeher fehlerhafte Geld- und Bodenordnung und die daraus resultierende systemische Ungerechtigkeit, die Zinsumverteilung von der Arbeit zum Besitz.

Der wissenschaftliche Inhalt des Vortrages wird in keiner Weise dadurch berührt, dass es heute keine Goldwährung (bzw. Golddeckung des Papiergeldes) mehr gibt. Der entscheidende Fehler auch des heutigen Papiergeldes ist eine parasitäre – der wesentlichen Tauschfunktion widersprechende – Wertaufbewahrungsfunktion, die gänzlich unreflektiert dem Goldgeld der Antike nachgeäfft wurde. Erst dadurch erhält auch das Papiergeld seine erpresserische Eigenschaft als Zinsgeld, welches die Gesellschaft – sowohl innerhalb der Nationalstaaten als auch zwischen den Staaten – in Zinsverlierer (Proletariat) und Zinsgewinner (Dekadenz) aufspaltet, bis der nächste Krieg unvermeidlich wird.

Wenn im Folgenden von "Rentnern" die Rede ist, so sind damit Zinsrentner (Kapitalisten) gemeint, die auf Kosten der Mehrarbeit anderer existieren, und nicht etwa Altersrentner, die eine Versicherungsleistung beziehen, für die sie zuvor selbst gearbeitet haben.

Allein die Notwendigkeit dieser kurzen Einwandvorwegbehandlung beweist die grenzenlose Unwissenheit - insbesondere der Politiker und so genannter Wirtschaftsexperten - der halbwegs zivilisierten Menschheit des 21. Jahrhunderts gegenüber der grundlegendsten zwischenmenschlichen Beziehung, dem Geld:

http://www.swupload.com//data/Krieg_SG.pdf

Sven Fuchs hat gesagt…

Dieser Blog dient in vielfacher Hinsicht genau dem Ziel, deutlich zu machen, dass die Analyse ökonomischer Prozesse im Zusammenhang mit der Entstehung von Kriegen wenig hilfreich ist. „Geld“ tötet genauso wenig Menschen wie ein „Machtvakuum“, „Aufrüstung“ und „Waffen“. Nur Menschen töten Menschen. Menschen müssen emotional zunächst in der Lage sein bzw. Gefühle abspalten können, um andere zu töten oder darüber zu befehlen. Nur Menschen mit gestörten Emotionen sind zu kriegerischem Verhalten fähig. Menschen die fühlen, können nicht töten, egal ob sie arm sind, reich sind, ungerecht behandelt wurden oder unterdrückt werden.

Interessantes hat bzgl. der Bedeutung ökonomischer Prozesse Lloyd deMause geschrieben. Er hat in seinen Analysen dargestellt, dass Kriege eher ausbrechen und um so länger und verheerender geführt werden, je stärker das wirtschaftliche Wachstum vorher war und je mehr Wohlstand die Allgemeinheit erfuhr. Ein mehr an Freiheiten und Wohlstand weckt das Opfer in den Menschen, weckt tiefe Minderwertigkeits- und Schuldgefühle, aber auch den Selbsthass und natürlich abgespaltenen unerträgliche Gefühle aus der Kindheit. Eine Lösung ist dann Selbstzerstörung durch ökonomischen Einbruch oder Kriege. Vor diesem Hintergrund wäre es interessant, den Fall früherer großer Reiche zu analysieren. Denn dem Fall ging ja oft ein ungemeiner Wachstums- und Fortschrittsprozess voraus.