Mittwoch, 4. Januar 2017

Politisches Framing. Die Macht des Wortes oder die Macht der Familiensysteme?

Auf die Linguistin Elisabeth Wehling bin ich durch die Sendung „Markus Lanz“ am 03.11.2016 aufmerksam geworden. Wehling beschäftigt sich kurz gefasst damit, wie Wörter (vor allem starke bildhafte Sprache) in Politik, Medien und Wirtschaft auf die Menschen wirken und auch zu Handlungen in die eine oder andere Richtung führen (z.B. bei Wahlen).

In der o.g. Sendung von Markus Lanz sagte Wehling, dass Donald Trump in seinem Wahlkampf mit der Idee des „Ekels“ und der „Reinheit“ von Anfang an gearbeitet habe. Trump habe starke sprachliche Bilder benutzt: Amerika sei „vergiftet“, Amerika sei „blutleer“, die Wirtschaft sei „kurz vorm Sterben“, Mexikaner brächten „Krankheiten“ usw. Umgekehrt habe er sich als „Saubermann“ dargestellt: „Ich bin der saubere Held“. (Persönliche ergänzende Anmerkung: Trump hat bereits bei seiner Antrittsrede zur Kandidatur sprachliche Bilder aufgemacht wie "China killt uns", Sie "schlagen uns" usw. und das Zurückschlagen angedeutet, etwas was ganz direkt die Leute triggert, sie selbst als Kind durch Elternfiguren geschlagen worden sind...)
In der Diskussion ging es dann weiter um die Angst vor Bakterien. Wehling im O-Ton:
„Fakt ist, dass Menschen, die eher konservativ wählen, mehr Angst haben vor Krankheit, sich schneller ekeln vor Dingen, sehr besorgt sind, sich sauber zu halten, und wir wissen es eben nicht nur aus der Verhaltensforschung, sondern auch aus der Gehirnforschung. Das ist eine Reihe, die wir gemacht haben. Da haben wir uns eben die Gehirne vom erzkonservativen Amerikaner und erzproggressiven Amerikaner angeschaut. Wie reagieren die auf sprachliche Konzepte von Ekel? Also so etwas wie eine schmutzige Emailaffaire? Und tatsächlich ist es so: Das konservative Gehirn simuliert genau im gleichen Bereich in dem auch wirklicher physischer Ekel simuliert wird (…)  viel stärker Ekel und körperliche Abwehrreaktion als beim progressiven.“ Die Frage, warum das so ist, beantwortet sie in der Sendung nicht.

Mir persönlich fiel dabei sofort die Parallele zur Psychohistorie auf. Lloyd deMause analysiert seit Jahrzehnten bildhafte Sprache u.a. von politischen Führern und reale Bilder wie politische Cartoons und dabei ihre Wirkungskraft auf Nationen. Bei deMause steht ergänzend im Vordergrund, dass die Bilder und bildhafte Sprache etwas über (unbewusste) individuelle wie auch kollektive Emotionen/Fantasien (dabei vor allem auch bedingt durch destruktive Kindheitserfahrungen) bzw. emotionale Gruppenprozesse verraten.

Besonders interessant ist für mich jetzt der Hinweis von Frau Wehling auf die beiden unterschiedlichen Gehirnreaktionen bzgl. Ekel. Ich habe Frau Wehling gleich nach der Sendung angeschrieben und gefragt, ob es in ihrer Forschung Bemühungen gab, einmal zusätzlich die Kindheitshintergründe abzufragen. Ich mutmaßte, dass die Erzkonservativen sicherlich eine deutlich destruktivere Kindheit erlebt hätten, als die Progressiven. Ich ergänzte in meiner Email u.a.:
„Ein Beispiel: In einem Vortrag, der auf Ihrer Homepage zu sehen ist, nehmen Sie Bezug zu dem Säugling, der Wärme und Zuwendung verknüpft. Dadurch die späteren Sprachbilder von "warmherzigen Menschen" etc. Wenn nun aber der Säugling und das Kleinkind keine Wärme, sondern Kälte, Ablehnung, Demütigungen verbunden mit starken Gefühlen von Ekel, Scham, Ohnmacht, Überwältigen (oder "in sich eindringen" / über die Grenze gehen, was bildlich dann später wieder an Parasiten, Angst vor Viren etc. anknüpft) usw. erlebt hat, dann wird dieser Mensch später entsprechend anders auf bildliche Sprache reagieren, weil sein Gehirn auf sehr verdrehte und mit Angst behaftete Erfahrungen zurückgreift.“
Nun, ich habe bisher keine Antwort von ihr bekommen, macht aber nichts. Das Thema an sich ist hochspannend. Lloyd deMause hat immer wieder darauf hingewiesen, dass Kriege eine Art „Reinigungsritual“ darstellen. Wenn der innere Druck zu groß wird, wenn zu viele traumatische Erinnerungen ins Bewusstsein zu rücken drohen (oder auch durch gesellschaftliche Veränderungen getriggert werden), braucht es Opfer, um sich (und die Nation) zu „reinigen“.

Ich habe mehr oder weniger zufällig kürzlich ein Interview mit dem amerikanischen Sänger James Hetfield der Band „Metallica“ gelesen (SPIEGEL, 30.09.2013, "Ein böses Tonband in meinem Kopf"). Familie war für ihn kein sicherer Ort, wie er in dem Interview sagte. Er sei in einer sehr religiösen Familie aufgewachsen. Es gab dort „alle möglichen Bestrafungen, die ich hier nicht vertiefen will.“  Bei seinen Eltern konnte er kein Gehör finden, „ohne Angst zu haben, bestraft oder lächerlich gemacht zu werden.“ Er ist also quasi in einer amerikanischen, erzkonservativen, erzreligiösen Familie aufgewachsen. Über seine Selbstdefinition sagte er in dem Interview:
„Das Problem ist, ich habe eine Persönlichkeit, die mir unablässig erzählt, ich sei ein Stück Scheiße. Nur wenn ich auf der Bühne stehe, passiert das Gegenteil. Da werde ich vom Stück Scheiße zum King Scheiße.“
Das ist etwas, was ich so oder so ähnlich sehr oft bzgl. Menschen gelesen oder gehört habe, die in einer sehr destruktiven Familie aufgewachsen sind. „Ich bin ein Stück Scheiße, der letzte Dreck, nichts wert, ein Versager, ein Parasit, dumm, zu nichts zu gebrauchen, nicht liebenswert, Abschaum“. Ich  erinnere mich an einen Vortrag - aus meiner Studentenzeit - von Prof. Dr. med. Peter Riedesser in Hamburg, wo er mit in etwa solchen Worten das Selbstbild von als Kind schwer misshandelten Menschen beschrieb, die er in der Klinik betreute.  Es ist nur logisch, dass Menschen mit einem solchen Selbstbild u.U. wiederum besonders viel Angst vor „Dreck“ „Krankheiten“, „Viren“, „Abschaum“ und „Verunreinigung“ haben bzw. dass diese Bilder bei ihnen starke emotionale Reaktionen hervorrufen können und dass sie eher dazu neigen, solche Eigenschaften auf Andere zu projizieren und dann als ein Akt der "Reinigung/Säuberung" zu bekämpfen (oder ihr eigenes Leben so zu „gestalten“, dass Glück und Freude keinen Raum bekommen, sondern sich das dunkle Selbstbild erfüllt).

Elisabeth Wehling hat vor allem in den letzten Wochen und Monaten unzählige Interviews gegeben, die man im Netz nachlesen kann. In einem der Interviews in ZEIT Campus (Nr. 6/2016, 4. Oktober 2016, "Schlimmer als Hillary kann man es nicht machen") sagte sie:
 „Jeder Mensch hat einen bestimmten Wertekompass. Das liegt daran, wie wir aufwachsen. Als Kind erfahren wir zum ersten Mal, was es bedeutet, "regiert" zu werden. Deshalb werden auch in der politischen Sprache so häufig Metaphern der Familie verwendet: Vaterland, Schwesterpartei, Gründerväter. Wenn Sie mir sagen, wie für Sie die ideale Familie aussieht, kann ich Ihnen sagen, ob Sie eher konservativ oder eher progressiv sind.“
In einem anderen Interview (jetzt, 08.12.2016, "Wer nur mit Fakten argumentiert, erreicht die Leute nicht" ) sagte sie: „Aus der Ideologieforschung wissen wir: Letztlich denkt jeder Mensch, bewusst oder unbewusst, zu großem Maße über die Politik wie über das Familienleben. (…) Denn unsere erste und eindrücklichste Erfahrung mit sozialen Gruppen und Autoritäten ist die Familie. Sprachlich sieht man die Metapher etwa an Ausdrücken wie Mutti Merkel, Vater Staat, Muttersprache, Vaterland, Gründungsväter oder auch Staatshaushalt. In einer Familie geben die Eltern vor, was richtig und was falsch ist, erziehen die Kinder nach bestimmten Regeln. Dabei kennt die Forschung zwei zentrale Modelle: streng und fürsorglich.“

Diese Unterteilung in strenge und fürsorgliche Eltern und die Verbindung zu Politik und bildlicher Sprache ist auch zentrales Thema in dem Buch „Auf leisen Sohlen ins Gehirn. Politische Sprache und ihre heimliche Macht.“ (Lakoff & Wehling (2016), Carl-Auer Verlag, Heidelberg, 4. Auflage) Das Buch ist im Prinzip ein langes Interview bzw. ein gedanklicher Austausch zwischen Elisabeth Wehling und George Lakoff, wobei Frau Wehling die Fragen stellte. Ich fand das Buch faszinierend, zum Einen wegen des Inhaltes an sich,  zum Anderen, weil es enorm nah dran ist an psychohistorischen Annahmen und trotzdem sprachlich weit davon entfernt. Wie kann dies sein? Nun, in dem Buch nehmen die zwei Erziehungskonzepte „Strenger-Vater“ und „Fürsorgliche Eltern“ (wie Lakoff es definiert; übrigens finde ich das Bild "Strenger-Vater" falsch, denn wie wir wissen, misshandeln Mütter ihre Kinder oft noch häufiger, als Väter, aber das nur nebenbei...) sehr viel Raum ein, dabei vor allem mit Bezug zur Politik in den USA.  Trotz dieser deutlichen Verbindung von Politik und bildlicher Sprache zum Einen und erfahrener Erziehung zum Anderen bleibt das Thema Kindheit im Prinzip nur angerissen und an der Oberfläche. Das ist paradox.

Nun, gehen wir noch weiter ins Detail. Lakoff meint, dass bildliche Sprache in der politischen Debatte Realitäten in den Hörern schafft, ohne dass den Menschen dies bewusst wäre und diese Realitäten in den Köpfen führen dann ggf. auch zu Handlungen (z.B. bei politischen Wahlen). Zusätzlich zentral finde ich seine Feststellung, dass unsere Erfahrungen in der Welt die Beschaffenheit unseres Gehirns bestimmen. Hören wir Wörter und vor allem auch bildliche Sprache, dann greift unser Gehirn automatisch auf Grund der Vorerfahrungen im Leben auf einen Deutungsrahmen („Frame“) zurück.  Bzgl. dieser Vorerfahrungen nehmen die zwei oben erwähnten unterschiedliche Erziehungskonzepte immer wieder viel Raum ein in dem Buch. Er sagt z.B.:
„Ich erforschte die Mechanismen der Metapher Nation als Familie im Detail und fügte die gegensätzlichen politischen Positionen des konservativen und progressiven Lagers ein. Und zu meiner Überraschung ließen sich die politischen Programmpunkte tatsächlich auf die Moralvorstellungen zweier gegensätzlichen Familienmodelle zurückführen: das konservative Familienmodell mit einer Strenger-Vater-Moral und das progressive Familienmodell mit seiner Fürsorgliche-Eltern-Moral.“ (Lakoff & Wehling 2016, S. 39) Anders ausgedrückt: Ob jemand in den USA konservativ denkt, fühlt und handelt bzw. sich von bildlicher Sprache (Konservative Politiker würden laut Lakooff z.B. ständig über Familienwerte sprechen) angesprochen fühlt, hängt offensichtlich sehr stark mit dem als Kind erlebten Familienmodell zusammen.  Wobei Lakoff auch betont, dass dies idealtypische Modelle sind und viele Amerikaner auch Mischformen erleben.

Im konservativen Familienmodell ist z.B. Strafe eine moralische Aufgabe. Strafe wird als Liebe verstanden. Ein Vater wäre ein schlechter Vater, würde er das Kind nicht für Fehlverhalten bestrafen. (ebd., S. 41) Diese Sicht findet ihren Widerhall in politischen Prozessen in den USA und auch in der Vorstellung von der USA als gerechtem Vater, der ggf. Strafen in der Welt verteilen muss, um Fehlverhalten zu korrigieren und der natürlich Gehorsam verlangt. Dazu gleich mehr. Zunächst noch ein aussagekräftiges Zitat:
„Die Familie ist unsere primäre und tiefgreifendste Erfahrung damit, `regiert` zu werden. Und Familien können durch unterschiedliche Moralvorstellungen strukturiert sein. Wir können, wenn wir das Richtige tun, dafür belohnt werden, wenn wir das Falsche tun, dafür bestraft werden. Oder aber man führt einen Dialog mit uns darüber, was das Richtige ist und was das Falsche. Die entscheidende Frage lautet: Auf welche Art lernt ein Kind in seiner Familie, was moralisches Verhalten ist? Diese Frage determiniert letztlich unsere Auffassung davon, was moralische Politik ist, denn wir übertragen unser Verständnis von moralischer Autorität in der Familie unbewusst auf die Politik. (….) Die Metapher Nation ist Familie ist uns so geläufig, dass wir sie gar nicht weiter beachten. Es ist für uns ganz natürlich, soziale Gruppen – und somit auch die Nation, in der wir leben – gedanklich als Familie zu begreifen. In Deutschland sprechen sie von Vaterland. Man spricht von Mütterchen Russland und Mutter Indien. Nationen senden ihre Söhne in den Krieg. In den USA haben wir Gründungsväter. (…) Nun, weiter haben Regierungen Haushaltspläne. Der Punkt ist, wir denken über die Nation als Familie und übertragen dadurch Wissen und Erfahrungen aus unserer Familie auf die Nation.“ (ebd., S. 34+35)
Wir würde, so Lakoff, auch im internationalen Maßstab von Nationen als Personen denken (und weitergedacht als Familie im Weltmaßstab). „Wir denken über Nationen als Personen innerhalb einer Weltgemeinschaft, in der es Nachbarstaaten gibt, befreundete Staaten, feindliche Staaten, Schurkenstaaten und so weiter. Und in dieser Weltgemeinschaft gibt es Erwachenenstaaten und Kinderstaaten. Industrialisiert zu sein bedeutet, erwachsen zu sein. (…) Die Entwicklungsländer sind - metaphorisch - Kinder. (…) Und das Ergebnis dieser  Metapher ist, dass unterentwickelte Nationen in der Außenpolitik als Kinder behandelt werden. Die Erwachsenenstaaten leisten Entwicklungshilfe. (…) Und wenn die Länder der Dritten Welt sich widersetzen und nicht tun, was die Erwachsenen sagen, dann können sie physisch, also militärisch oder ökonomisch, diszipliniert werden.“ (ebd., S. 88+89) Frau Wehling merkt daraufhin an: „Letztlich wird hier die konservative Familienmetapher auf die internationale Politik angewandt: Der strenge Vater USA hat die Aufgabe, das artige Kind Indien zu belohnen und das ungezogene Kind Iran zu bestrafen.“ (ebd. S. 89)

Lakoff nimmt auf der anderen Seite auch Bezug zu einer Politik, die auf die „Fürsorgliche-Eltern-Moral“ gründet: „Wenn wir die Werte der Fürsorgliche-Eltern-Moral auf die Außenpolitik übertragen, dann dominiert zunächst einmal die Vorstellung, dass man Kinder – sprich die Entwicklungsländer -  mit Respekt behandelt. Und dass man ihnen eine progressive Form der Liebe entgegenbringt, im Gegensatz zu der konservativen tough love. Es ist die moralische Aufgabe, sich so gut wie möglich in die Situation und Bedürfnisse der Entwicklungsländer hineinzuversetzen und ihnen so gut es geht, zu helfen. Und an die Stelle des Systems von Belohnung und Bestrafung tritt die Idee der Fürsorge und Kooperation. (…) Als eine zentrale Idee gehört dazu, dass man den Entwicklungsländern zugesteht, Eigenverantwortlichkeit zu erlangen, und zwar so früh wie möglich, während man noch mit ihnen kooperiert und sie als Teil einer größeren Familie begreift.“ (ebd. S. 89+90)
Die europäischen Nationen würden, so Lakoff, zwar gegenüber den Entwicklungsländern eigene moralische Autoritäten darstellen, in Relation zu den USA wären sie aber eher so etwas wie „die ältesten Geschwisterkinder in der Familie.“ (ebd., S. 113)

Aufschlussreich finde ich eine Stelle im Buch, an der Lakoff auf das Verhalten von George W. Bush nach dem 11. September eingeht, der den Terroristen „eine Lektion“ (so wird Bush zitiert) erteilen wollte. „Weil er eine Strenge-Vater-Weltsicht vertritt. Er denkt im Sinne des konservativen Familienmodells, will bestrafen und `Lektionen verteilen`.“ (ebd., S. 119) In der Tat ist George W. Bush stark konservativ-autoritär, mit Strenge und körperlicher Gewalt, erzogen worden! Lakoff hat, ohne auf die Kindheit von Bush Bezug genommen zu haben, genau den Punkt getroffen. Das ist allerdings auch eine Grundkritik, die ich an dem Buch habe. Lakoff und Wehling sprechen die ganze Zeit über den Einfluss von Familienmodellen auf die Politik, sprechen aber mit keinem Wort über das Ausmaß von Gewalt gegen Kinder in den USA (oder bzgl. Einzelpersonen wie Bush) und sie erwähnen auch keine Daten bzgl. unterschiedlicher Erziehungsmodelle und deren Verbreitung in den USA. Entsprechend fehlen auch komplett Anregungen in die Richtung, dass man politische Systeme offensichtlich stark verändern kann, wenn sich die Mehrheits-Kindererziehungspraxis verändert (was die logische Schlussfolgerung aus ihren Erkenntnissen wäre).
Stattdessen tendiert das Buch eher dahingehend, dass es anregt, Sprache zu überdenken und zu hinterfragen, damit durch „falsche Sprache“, nicht „frames“ bei den Menschen aufgehen, die dann evtl. zu destruktiven Prozessen führen. Für mich stellt sich eher die Frage, ob als Kind geliebte Menschen oder im Wortsinn von Lakoff und Wehling ausgedrückt, ob Menschen die im Konzept „Fürsorgliche-Eltern-Moral“ aufgewachsen sind, nicht nur unempfänglich für bestimmte bildliche Reizwörter (Ekelwörter in Bezug auf Gruppen, „Vergewaltigung Kuwaits durch den Irak“, Terroristen als „Schädlinge“ usw.) sind, sondern auch von sich aus gar nicht dazu neigen, solche Wörter auch zu benutzen. Worte haben eine Wirkung, ja, aber Worte, gerade auch wenn sie stark bildlich daherkommen und erst Recht wenn sie Freund-Feind-Schemata oder Bestrafungen zum Ausdruck bringen, kommen auch aus dem Unterbewusstsein und zwar aus dem Teil, in dem unverarbeitete belastende Kindheitserfahrungen schlummern. Psychohistoriker wie Lloyd deMause haben in ihrer Arbeit immer beides analysiert: Die Wirkung von bildlichen Wörtern auf Gruppen, aber auch die Ursprünge von den Wörtern: Was sagen uns die Ausdrücke/Bilder über den emotionalen Zustand des Senders und über seine Kindheit (bezogen auf Individuen wie auch ganze Nationen)?

Was ich trotz aller Kritik immer wieder spannend finde ist, wenn Menschen anderer Denkrichtungen letztlich auf Grund ihrer Forschungen zu ganz ähnlichen Erkenntnissen kommen, wie die Psychohistorie, nur dass die Kindheitshintergründe nicht so offen ans Tageslicht gebracht werden. Insofern stützt die Forschung von Wehling und Lakoff psychohistorische Annahmen.

Keine Kommentare: