Sonntag, 9. Januar 2011

Vergiftete Politikdebatte in Amerika

Der Hass in den USA wächst offensichtlich weiter. Am 05.11.2010 schrieb ich einen Beitrag unter dem Titel: „Barack Obama - Abbruchstimmung und Hass wächst. Wer wird der neue Feind der USA?
Die emotionale Lage in den USA wird stetig schwieriger. Aktuelle, anschaubare (medienwirksame) äußere Feinde fehlen. Saddam Hussein ist tot. Afghanistan ist weit weg und bringt keine neuen Ängste und Feindbilder mehr auf. Mit Russland und China ist man wirtschaftlich und politisch relativ eng verbandelt. Doch irgendwo müssen die Ängste ausagiert werden. Neue Feinde müssen her. Da Außen nicht auffindbar, richtet sich der Hass jetzt ins Innere, ins eigene Land, sowohl ökonomisch, als auch politisch.
Vergiftete Politikdebatte in Amerika?“ betitelt SPIEGEL-Online derzeit seine Diskussion im Forum zum Attentat im US-amerikanischen Arizona, das vor allem der demokratischen Abgeordneten Gabrielle Giffords galt. "In diesem "Klima des Gifts" werde bald kaum noch jemand für öffentliche Ämter kandidieren." zitiert die ZEIT einen Sheriff aus Arizona. Parallel erschüttert derzeit Deutschland ein großer Dioxin-Skandal (wieder Gift). Zum Thema Gift hatte ich ja kürzlich schon etwas zur EURO-Krise geschrieben. Hier verbindet sich offensichtlich einiges. Die Zeitpunkte der Geschehnisse könnten merkwürdiger nicht sein. Hier bei uns reales Gift, nachdem im Vorfeld Fantasien über die "vergifteten Staaten von Europa" kursierten. Drüben, in den USA, "politisches Gift".

Die Welt hat offensichtlich ein Problem damit, wenn keine offenen Feinde bereit stehen. Selbstzerstörung scheint die einzige Antwort darauf zu sein.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Was in Amerika geschieht, ist schlimm. Die Zahl der "Feinde" wächst: von Wikileaks (bald das ganze Internet?) bis hin zu den jeweiligen politischen Lagern (man beachte nur mal die Schlachten, die sich Abtreunungsgegner und -befürworter liefern) - die einen haben Obama als Hauptbeschimpfungsobjekt, die andere Palin. Letztere würde ich zwar niemals wählen, aber das rechtfertigt noch nicht das herrschende Beschimpfungsklima.

Die Verbindung zwischen der bei Beschreibung solcher Zustände benutzten Metapher "Gift" mit dem real aufgetauchten Dioxin ist mir aber nicht klar geworden. Neigst Du womöglich selbst zu verschwörungstheorie-ähnlicher Verknüpfung?

Sven Fuchs hat gesagt…

Das reale Gift Dioxin hat für mich eher symbolische Bedeutung. Vielleicht habe ich das nicht genau genug ausgedrückt.

Ich verwies ja auf einen Beitrag zur EURO Krise. Gewalt gegen Kinder "vergiftet" die Psyche. Wenn zu viel des Gifts an die Oberfläche gespült wird (bewusstes Erinnern), dann suchen die menschen Erleichterung. Das Gift muss irgendwie weg, durch Opfer (Giftscontainer), durch Selbstverletzungen/Selbstzerstörung (Vergiftung, so man will) bzw. nach deMause auch durch ökonomische Krisen und/oder durch symbolisches ausagieren.

Für mich ist eher von Bedeutung, dass Wörter wie "Gift" derzeit medial sehr oft fallen, in viellerleih Zusammenhängen. Diesen Gedanken will ich hier festhalten und schauen, was sich daraus weiter entwickelt.

(Übrigens esse ich selbst seit Jahren nur Bio und verfolge die Dioxindebatte insofern eher nebenbei)