Samstag, 24. September 2011

Kindheit von Siri Hustvedt

Sehr berührt hat mich der Bericht „Mein Leben - Siri Hustvedt“, der heute auf ARTE lief und derzeit noch online zu sehen ist. Ich kannte diese Schriftstellerin vorher nicht. Im Film erlebte ich sie als eine sehr wache, selbstbewusste und emotionale Frau. Eine zugewandte Frau, für die ihre Familie, engsten Freunde, das häusliche Leben und das Schreiben ihr Paradies ist, wie sie selbst sagt. Leider schreibe ich in diesem Blog viel zu selten über die andere Seite. Wie Menschen durchs Leben gehen, die als Kind Liebe, Fürsorge und Wärme erlebt haben. Prominente bieten sich als „Forschungsobjekt“ sehr gut an, einfach weil viel über sie und ihr Leben berichtet wird. Ich will mit meinen Darstellungen nicht sagen, dass aus geliebten Kindern automatisch Schriftsteller und Forscher werden. Es geht nicht so sehr um Erfolg. Es geht um Menschen, die fühlen, die Liebe geben können, die nicht selbstzerstörerisch leben und handeln. Ein solcher Mensch scheint Siri Hustvedt zu sein. In dem Bericht finden sich viele Details aus ihrer Kindheit.

Ab dem Alter von drei Jahren zog ihre Familie auf einen Campus, wo ihr Vater Wohnheimleiter war. Hustvedt hat wunderbare Erinnerungen an diese Zeit, wie sie sagt, da sie sich als Kinder dort unbeobachtet auf dem Uni-Gelände aufhalten und frei herumtreiben konnten.
Ihre Schwestern berichten von einer besonderen und engen Bindung untereinander. Es gab wenig Konflikte, die Schwestern waren gute Freunde und es war sehr harmonisch. Siri hatte viele Freunde als Kind. Als Jugendliche hatte sie allerdings eine harte Zeit, zum einen weil die Schule sie sehr langweilte, zum anderen weil sie anders und sehr schlau war und dadurch Zielscheibe von Hänseleien durch Gleichaltrige wurde.
Ihre Mutter sagte: „Es hört sich lächerlich an, aber ich kann mich an keinen ernsthaften Konflikt mit meinen Töchtern erinnern." und "Sie sind in großer Freiheit aufgewachsen." Über ihren Vater redet Siri sehr liebevoll und mit großem Respekt. Eine gewisse Distanz hatte er zu ihrer Arbeit, was sich mit dem Buch „Was ich liebte“ schlagartig änderte.
Eine ihrer Schwestern beschreibt Siri als sehr einfühlsam und jedem zugewandten Menschen. Der Freund Salman Rushdie: „Siri hat diese emotionale Intelligenz. Es geht nicht nur um ihren Geist oder komplexe Ideen. Sie hat auch einen besonderen Zugang zu komplexen Gefühlen. Es gibt wenige Schriftsteller, die so emotional intelligent sind, wie sie.“.
Mit ihrem Ehemann ist sie seit über 30 Jahren verheiratet und beide beschreiben ihre Ehe als glücklich, intensiv und aufregend. Gegenseitige Kritik beruht stets auf Respekt vor dem Anderen. An ihre Tochter gab Siri ganz offensichtlich die gleiche Liebe und Fürsorge weiter, die sie selbst erlebt hatte. Tochter Sophie: „Eine der größten Gaben meiner Mutter ist, dass sich andere sehr wohl und sicher bei ihr fühlen. Als Kind habe ich sie immer schrecklich vermisst, wenn sie weg war, weil ich einfach zu niemandem diese engen Gefühle entwickeln konnte, wie zu ihr. Und sie ist einer der schlausten Menschen, die ich kenne.“ Ihr Ehemann: „Sire war immer eine tolle Mutter, das bewundere ich am meisten an ihr. Absolute Hingabe, absolute Fürsorge, ohne je nachzulassen.„ Jeden Abend hatte die Mutter ihrer Tochter sehr lange (bis zu 2 Stunden) aus Büchern vorgelesen.

Wir sehen hier am Einzelbeispiel, wie sich Liebe auf Kinder auswirken kann. Solche Berichte machen mir im Grunde viel Spaß (anstatt sich nur mit Diktatoren "rumzuschlagen".). Ich hoffe, dass ich zukünftig mehr in diese Richtung abliefern kann.

Kommentare:

Janesbar hat gesagt…

Danke für den berührenden Artikel. Siri Hustvedt ist eine Schriftstellerin, die ich jedem nur ans Herz legen kann. Sie schriebt unheimlich klug, warmherzig und realitätsnah. "Was ich liebte" ist ein gutes Buch für den Anfang.

Sven Fuchs hat gesagt…

"Was ich liebte" steht bereits auf meinem Wunschzettel :-)

Anonym hat gesagt…

ist suri hustvedt nicht chronisch krank? ich mal einen bericht auf 3sat gesehen.
psychosomatisches kranksein ist nicht wirklci ein indiz für glückliche kindheit,eher für unterdrückte gefühle.
es gibt eben die agression nach aussen und die nach innen.
das sollten wir nicht bagatellisieren.

lg
tonie

Sven Fuchs hat gesagt…

Hallo Tonie,

sie leidet - soweit ich weiß - an einer Art Nervenerkrankung (mit spontanem Zittern), worüber sie auch ein Buch geschrieben hat.

Solche Erkrankungen können - wie auch andere psychische/neuronale Erkrankungen diverse Ursachen haben.