Freitag, 30. Oktober 2015

Ursachen von Rechtsextremismus nach Hajo Funke

Sehr aufschlussreich bzgl. der Ursachen von Rechtsextremismus fand ich die Arbeit von Prof. Dr. Hajo Funke (2001): Rechtsextremismus 2001. Eine Zwischenbilanz. Verwahrlosung und rassistisch aufgeladene Gewalt – Zur Bedeutung von Familie, Schule und sozialer Integration. In: Eckert, Roland et al.: Demokratie lernen und leben – Eine Initiative gegen Rechtsextremismus, Rassismus, Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit und Gewalt. Band 1. Weinheim: Freudenberg Stiftung.

Funke selbst hat gewalttätige Rechtsextremisten befragt, bezieht in seinem Beitrag aber auch andere Studien (vor allem aus Ostdeutschland) mit ein. Er stellt fest,  dass problematische Erfahrungen in der Kindheit (mangelnde Zuwendung und Beachtung, restriktive Erziehung, wie auch elterliche Gewalt) etwas zur rechtsextremen Orientierung beitragen.

Als Einstieg beschreibt Funke die Biografien von drei rechtsextremen jungen Männern, die 2000/2001 befragt wurden. Ich ziehe dabei besonders die Informationen bzgl. Kindheit und elterlicher Erziehung heraus.

Der Fall „Walter“
Walter ist nach schweren Konflikten mit seiner Stiefmutter und seinem Vater aus der elterlichen Wohnung rausgeworfen worden. Als Walter ca. 12 Jahre alt war, starb seine Mutter nach vorherigem jahrelangem schweren (krankheitsbedingtem) Leiden. Auch mit seiner Mutter scheint er einen konfliktreichen Kontakt gehabt zu haben. Sein Vater habe ihn systematisch gekränkt, er tauge nichts, nur sein Bruder sei etwas wert, was der Vater „hundertfach wiederholt habe“. (S. 62)
Walters „Berichte über das soziale Leben sind voll von Angst vor sanktionierenden Instanzen, sei es Gefängnis, Heim oder auch dem Kindergarten. (….) Walter wirkt labil. Es fehlt in seiner Lebensgeschichte offenkundig eine emotional reichhaltige Beziehung mit einer erwachsenen Bezugsperson; dominierend erscheinen dagegen anhaltende Abweisungserfahrungen.“ (S. 62)

Der Fall „Christoph“
Christoph erinnert sich „wie er mit etwa 4 Jahren einem schlagenden, tobenden Stiefvater gegenüber steht und hilflos mit ansehen muss, wie er seine Mutter, die geschlagen wird, nicht schützen kann und die auch ihn nicht schützen kann. Nach quälenden vier Jahren wiederholter schwerer Misshandlungserfahrungen verlässt der Stiefvater endlich seine Mutter. (…) In der Kindheit schwer und wiederholt misshandelt, schlägt er zu, ehe er geschlagen wird.“ (S. 63)
Nach weiteren Konflikten zieht er schließlich zu Hause aus und kommt bei seiner Großmutter unter.
Erst durch die rechtsextreme Clique erfährt Christoph den Eindruck einer „zweiten Familie“, schreibt Funke. (S. 63) Bereits im Alter von 14 Jahren trägt Christoph das Wort „Hass“ eintätowiert auf seinen Fingern. 

Der Fall „Adolph“
Adolph ist von seiner Mutter geschlagen worden und musste sich um seine kleinen Brüder kümmern, weil die Mutter faul war, wie er sagte (bzw. ihm diese Aufgabe vermutlich aufbürdete). Adolph selbst war früh gewalttätig und kam schließlich auf eine „Hilfsschule“, von seiner Mutter wurde ihm mitgeteilt, er sei eine Null. Seine Mutter wertet ihn systematisch ab, was – so kommentiert Funke – offenkundig vom Vater nicht kompensiert wurde. (S. 65) Mit 18 Jahren wurde er von der Mutter sofort vor die Tür gesetzt. Anerkennung suchte er in der rechtsextremen Szene Ostberlins.

In allen drei Fällen gab es auch im sozialen Umfeld keine oder kaum kompensatorische Angebote oder „aufwertende Nachsozialisation (…), „stattdessen gerieten alle drei in eine Spirale wachsender Verwahrlosung.“ (S. 66)

Der Risikofaktor „destruktive Kindheit“ führt natürlich nicht zwangsläufig oder monokausal zum Rechtsextremismus. Funke schreibt: „Die Gewalt- und Abwesenheitserfahrungen in der Kindheit dürften für Ausländerfeindlichkeit dann von Bedeutung sein, wenn andere Bedingungen hinzutreten.“ (S. 99) Deutlicher: „Reale gesellschaftliche Angst vor sozialem Ausschluss und traumatische Angsterfahrungen fusionieren in der Gruppe zum mobilisierten Gefühl der Paranoia, aus der heraus man schlägt. Es ist also weder die Realangst vor sozialem Ausschluss noch allein die traumatischen Erfahrungen im Elternhaus, die zur gefährlichen Gewaltkarriere in der Jugendclique beitragen, sondern beides zusammen. Die rechten Kader (Parteien) und Netzwerke haben damit Chancen zur Instrumentalisierung dieser Jugendlichen, wenn Angst vor sozialem Ausschluss und Gewalterfahrungen in den Herkunftsfamilien zusammenkommen. Diese geschädigten Kinder sind ideale Kandidaten für den Terror (…) und die braune Identität (…).“ (S. 103)
Funke spricht von „kumulativen Effekten der Demoralisierung“ (S. 105). Also beispielsweise das Zusammenkommen von strukturschwachen Regionen in Ostdeutschland, Transformationskrise nach dem Zusammenbruch der DDR, gesellschaftliche Missachtungserfahrungen und belastete Sozialisation im Elternhaus.
Funke schreibt an einer Stelle aber auch: „Ohne innere Entwicklung der Persönlichkeit entsteht ein um sich schlagender Sozialneid, der selbst dann wirkt, wäre er befriedigt. Das Motiv, mehr und alles haben zu wollen, ist selbst dann endlos, wenn es erfüllt wäre, da es die destruktive Sehnsucht repräsentiert, anerkannt zu sein und sich über Traditionen einer Untertanenkultur als autoritäre Aggression gegen Schwächere Luft macht.“ (S. 83)

Interessant finde ich auch, dass Funke die Reinheits- und Schmutzvorstellungen von Rechtsextremisten beschreibt. „Zum Abwerten gehört offenbar neben der Ohnmacht, die man am Opfer bekämpft, auch die Assoziation von Dreck, Schmutz, Gift und Unreinem.“ (S. 81) In der rechtsextremen Clique sei eine besondere Wut „gegen den Schmutz und den Dreck der Anderen“ auffällig ebenso wie die Vorstellung von einem „Bild von Reinheit und Homogenität des ethisch-gesäuberten und national befreiten eigenen `Volkskörpers`, des eigenen deutschen Territoriums, des national befreiten, ausländerfreien Reviers (...)“ (S. 81)
Dies passt zusammen mit den psychohistorischen Arbeiten von Lloyd deMause,  der starke Ängste vor Vergiftung und Verschmutzung im Vorfeld von Kriegen wahrgenommen hat und dies als Gruppenfantasie deutet, die auf traumatischen Kindheitserfahrungen wie auch Verletzungen des Fötus (fötales Drama“) beruhen.

In Funkes Arbeit werden weitere Studienergebnisse besprochen, die ich hier nicht wiedergeben kann.  Eindeutig bewertet er den Einfluss von destruktiven Kindheitserfahrung bei der Genese zum rechtsextremen Gewalttäter als hoch, verweist aber auch – sinnvoller Weise – auf die Notwendigkeit des Zusammentreffens mit anderen sozialen Einflüssen, wie oben bereits kurz beschrieben.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

„Wahl, Frindte, Gaßebner, Neumann, Peuker, Schmidt, Tramitz und Wiezorek haben im Auftrag des Bundesministeriums des Inneren die bislang umfangreichste Studie über rechtsextreme Straftaten durchfegührt (Wahl 2001). (…) Die Studie zeigt, dass die Täter meist männlich, ledig und zwischen 15 und 24 Jahren sind. Die Mehrzahl der Straftäter hat einen geringen Ausbildungsstand, aber nur eine Minderheit ist gesellschaftlich marginalisiert oder stammt aus Problemfamilien. Die Taten werden als Gruppenstraftaten begangen und finden oft unter Alkoholeinfluss statt. Die Tat wird durch Hass und Wut gesteuert, aber eben auch von Freude und Spaß an Aggression. Förderlich für die Straftaten ist auch das passive Verhalten von Personen, die diese Taten beobachten. Die wichtigsten Motive sind: eine maskuline Präsentation von Macht und Stärke, die sich mit manifestem oder latentem Hass auf Fremde mischt. Zugleich tritt bei den Opfern Angst auf, die auf Seiten der Täter zu starker Erregung führt und Selbstkontrollmechanismen verhindert. Politische Einstellungen spielen nur eine marginale Rolle.“
(http://www.uni-bielefeld.de/ikg/zick/rechtsextremismusZick.pdf)

„So weist FREISE (2001,10) denn auch daraufhin, dass sich im Nachwuchsführungspersonal von Wirtschaft, Politik und Verwaltung eine selbstbezogene, überhebliche und elitäre Einstellung breit macht, die nur Verachtung für Schwächere und andere Lebensweisen übrig hat und in einem Autoaufkleber so ausgedrückt wird: „Euere Armut kotzt mich an“. Hier wird deutlich, dass Fremdenfeindlichkeit und Rechtsradikalismus einen tieferen Grund in unserer Gesellschaft haben. „Die marktorientierte Gesellschaft verstärkt Werthaltungen, wie soziale Ungleichheit und Konkurrenzorientierung, die Affinitäten zu rechtsextremen und fremdenfeindlichen Orientierungen aufweisen“ (RIPPL u.a. 1998, 772).
MÖLLER (2000, 52) kommt deshalb zu dem Schluss, dass die Gesellschaft selber ausländerfeindliche Orientierungen produziert, die inzwischen tiefer in allen gesellschaftlichen Schichten und Altersgruppen verwurzelt sind, als wir es wahrhaben wollen. In dem Leistungsfähigkeit, Stärke, Durchsetzung, soziale Ungerechtigkeit und Konkurrenz auf die Spitze getrieben werden erleben wir einen innergesellschaftlichen Zivilisationsverlust der im Nachhinein ethnisiert wird.“
(http://www.sportwiss.uni-hannover.de/fileadmin/sport/pdf/onlinepublikationen/pil_rechtsex.pdf)

„Gegenwärtig besteht auf der Basis diverser Studien weitgehend Einigkeit darüber, dass weniger die direkte politische Beeinflussung innerhalb der Familie auf die politische Sozialisation wirkt, sondern dass vielmehr informelle, latente Faktoren und Prozesse relevant sind, beispielsweise ob überhaupt politische Gespräche in der Familie geführt werden, ob das politische Interesse durch die Eltern gefördert wird, wie die Kommunikation in der Familie zu politischen und anderen Themen grundsätzlich verläuft sowie welche Qualität die innerfamiliären Beziehungen und das Familienklima haben (vgl. Behrmann 1983; Bock 2000; Buhl 2003; Does 1978; Geißler 1996; Hopf/Hopf 1997; Preiser et al. 1980; Reinders 2001). Als Ideal für die Entwicklung eines demokratischen Standpunktes gelten im Ergebnis eine offene Kommunikationskultur, vertrauensvolle familiäre Beziehungen sowie ein von Respekt und Verlässlichkeit getragenes Familienklima.“
(http://www.journal-fuer-psychologie.de/index.php/jfp/article/view/224/272)

Anonym hat gesagt…

„Eine Sekundäranalyse mehrerer repräsentativer Untersuchungen von Ahlheim (2003) zeigt, dass eine Erziehung, die liebevoll, demokratisch, zuverlässig und gewaltfrei ist, am ehesten gegen fremdenfeindliche Einstellungen immunisiert - wobei jeder einzelne Faktor wichtig ist. Die positive Wirkung einer solchen Erziehung lässt sich vor allem darauf zurückführen, dass sie Gleichwertigkeit und gegenseitig Achtung vermittelt und damit hierarchisierenden Einstellungsmustern entgegensteuert. Denn eine groß angelegte Untersuchung mit 500 Familien von Andreas Hadjar (2004) zeigt, dass die rechten Jugendlichen sich von den nicht-rechten vor allem durch ihre Dominanzansprüche, im Sinne eines „hierarchischen Selbstinteresses“ unterscheiden. Es geht ihnen dabei vor allem darum, ihre Interessen im Vordergrund zu sehen, unabhängig davon, dass man dabei auch dem anderen Schaden zufügt. Moralische Überlegungen treten in den Hintergrund, denn man glaubt, vor allem besser als die anderen sein zu müssen. Das bedeutet auch, dass ein demokratischer Erziehungsstil nur dann gegen rechte Einstellungen immunisiert, wenn mit ihm eine Sozialethik vermittelt wird, die Konkurrenz- und Machtorientierungen entgegensteuert.
So ist zum Beispiel die Fremdenfeindlichkeit der Eltern ebenfalls eine relevante Variable. Dies wird eindrucksvoll bestätigt durch eine ebenfalls groß angelegte empirische Untersuchung von Maren Oepke (2005) Auch hier wird auf die große Bedeutung einer demokratische Erziehung in Schule und Familie hingewiesen, vorausgesetzt sie führen zu einer Dominanzhaltung in Form einer „ideologischen Selbstüberhöhung“.
Insofern kann man zusammenfassen, dass zur Entstehung rechter Einstellungsmuster unterschiedliche Einflüsse zusammenkommen müssen: Zum einen bedarf es persönlicher Voraussetzungen, die durch eine spezifische Biographie und das soziale Umfeld geprägt sind, darüber hinaus bedarf es sozio-struktureller Rahmenbedingungen, die die Wahrscheinlichkeit erhöhen, in diese Richtung zu tendieren und schließlich bedarf es einer Politisierung dieser Bedingungen und deren „Erklärung“ in einem rechten Weltbild. Es spielen also immer psychologische, soziale und politische Motive zusammen, auch wenn sie im Einzelfall ein je unterschiedliches Gewicht haben, wie mir in meinen Interviews mit Aussteigern aus der rechten Szene sehr deutlich wurde: Beim einen stehen eher persönliche Bedürfnisse nach Gemeinschaft und Selbstaufwertung im Vordergrund, beim anderen ist es stärker ein politische Interesse vor allem auch aufgrund einer oft unterschwelligen politischen Konfliktdynamik in der Familie und schließlich kann auch ein sozialer Außenseiterstatus z. Bsp. in Form der Zugehörigkeit zu einer gewalttätigen Clique seine Rechtfertigung in rechter Ideologie suchen. Aber alle Einflussgrößen spielen bei allen Beteiligten eine Rolle.“
(http://www.birgit-rommelspacher.de/pdfs/RexOuWFESOkt20062.pdf)

Anonym hat gesagt…

Zu den von mir gewählten Zitaten passt meiner Meinung nach dies:

„Weiße Männer aus allen Schichten“, so der amerikanische Soziologe Michael Kimmel „profitieren von einem System, das auf Ungleichheit der Rassen und Geschlechter beruht“. In seinem Buch „Angry White Men“ (2013) reflektiert er die Idee, dass der zunehmende und radikalisierte Rechtsextremismus insbesondere bei (jungen) weißen Männern mit dem Verlust der bisherigen Privilegien aus eben dieser strukturellen (patriarchalen) Ungleichheit zusammenhängt. Der Zorn der (jungen) weißen Männer speist sich seiner Meinung nach aus einem „Gefühl der kränkenden Enteignung“: Das (vermeintlich) „gottgegebene Recht“ auf Privilegien, Vorteile, usw., das weiße Männer bislang für sich reklamierten, löse sich gerade in Luft auf. Die verschiedenen Gruppen „zorniger weißer Männer, Amokschützen und rechtsextreme Patriotgruppen“, usw. verbinde das „Gefühl, dass unsichtbare Kräfte, die größer und mächtiger sind als sie, ihnen Vorteile weggeschnappt haben, die ihnen zustehen“. Die wachsenden Aggressionen der zornigen weißen Männer (Amerikas, aber sicher nicht nur) sind seiner Ansicht nach nicht nur darauf zurückzuführen, dass sie nach und nach alle Positionen mit Macht und Einfluss verlieren, sondern auch darauf, dass SIE DIESE POSITIONEN FÜR IHR GEBURTSRECHT HALTEN (Hervorheb. durch mich). „Der amerikanische Mann versteht Gewalt schon lange als den besten Weg, um dafür zu sorgen, dass seine Männlichkeit von anderen öffentlich anerkannt wird“, so Kimmel. Ganz sicher kann man dies auch vom deutschen (weißen) Mann behaupten. Kimmel zitiert den amerikanischen Psychiater James Gilligan, der vom „patriarchalen Kodex von Ehre und Schande“ spricht, der „die männliche Gewalt hervorbringt und zu ihr verpflichtet“. Die Vorstellung von Gewalt als restaurativer Kraft sei Teil einer geschlechtsspezifischen Gleichung, schreibt Kimmel weiter. „Die Gewalt ist nur das Mittel; das Ziel ist die Wiederherstellung von Ehre und Respekt, die Fähigkeit, eine Demütigung zu bereinigen“. Die Hauptbeschwerde der weißen Rechten (in Amerika, aber vermutlich auch in D) besteht laut Kimmel darin, „dass die weißen Männer im modernen Amerika „entmännlicht“ seien“. Sich den extremen Rechten anzuschließen, stelle demnach den Versuch dar, die eigene Männlichkeit wiederherzustellen. Die traditionelle Männlichkeit solle durch den Ausschluss „der anderen“ wiedergewonnen werden und eine neue Grundlage bekommen. „Nationalismus entsteht typischerweise aus vermännlichter Erinnerung, vermännlichter Demütigung und vermännlichter Hoffnung“, schreibt die Politologin Cynthia Enloe (zitiert in Kimmel).

Sven Fuchs hat gesagt…

Na danke für den Lesestoff!!

Ich fange mal mit dem letzten Beitrag an und arbeite mich dann später weiter durch:

Bei James Gilligan spielen so etwas Scham, Ehre, Schande, Respekt und (traditionelle) Männlichkeit in seiner Analyse von Gewalt eine bedeutende Rolle und das zu Recht. Diese Dinge bekommen bei sehr gewalttätigen Männern allerdings erst ihre besondere und pathologische Bedeutungskraft durch das besondere Ausmaß an kindlichen Gewalterfahrungen (http://www.kriegsursachen.blogspot.de/2012/10/james-gilligan-gewalt-und-die-tieferen.html). Dadurch sind diese Leute pathologisch von Scham durchzogen, fühlen sich zwanghaft nicht respektiert, klammern sich an Rollenmustern wie starker Männlichkeit usw.

Ich muss grundsätzlich noch mal dazwischenschieben, dass ich nie monokausal denke. Damit Menschen gewalttätig werden, bedarf es vielerlei Entwicklungen und Einflüsse. In meinem Blog gewichte ich allerdings die Kindheit ganz besonders. Die "Farben des Hasses" drücken sich sehr unterschiedlich aus, auch je nach Konfliktlagen und Gesellschaftsentwicklungen wie auch weiterer Einflüsse vielleicht sogar durch Gene und Geschlecht.

Die Gedanken bzgl. der zornigen weißen Männer kann ich absolut nachvollziehen. Man muss dies aber auch psychohistorisch einordnen. Denn diese verunsicherten Männer kommen ja vor allem nicht damit klar, dass sich die Welt rasant verändert. Sie sind unflexibel und voller Angst. Soziale Veränderungen und Fortschritt verunsichert aber weniger die "in sich ruhenden" Menschen, die selbstbewussten Menschen, die weniger Ängstlichen, die Glücklichen und Lebensbejahenden, die weniger Neidischen und somit in meinen Augen vor allem die, die als Kind geborgen und weitgehend gewaltfrei aufwachsen durften. Dagegen werden vor allem die welchen mit voller Wucht durch solche Prozesse wie sie derzeit in den USA ablaufen erwischt, die Arno Gruen als "Nicht-Identitäten" bezeichnen würden. Das klingt etwas abwertend, trifft aber den Kern. Ähnliches erleben wir derzeit hierzulande bzgl. Pegida & Co.

Sven Fuchs hat gesagt…

Ich habe leider noch keine Zeit gefunden, die verlinkten Texte weiter nachzulesen. Werde das aber noch nachholen.

Ich möchte anmerken, dass man "rechts" differenzieren muss und zwar bzgl. der Kindheit UND dem Grad des Extremismus. Jemand der in Fragebögen als "rechts orientiert" definiert wird, muss nicht ein schwer misshandeltes Kind gewesen sein. Wenn dieser welche kein Problem mit Hasstaten/Gewalt hat und Gewalt selbst ausgeübt hat, sieht die Sache schon anders aus, er wird - nach meinen Recherchen und auch Thesen - eher zu der Minderheit gehören, die besonders destruktive Kindheiten erleiden mussten.

Zweitens: Wo bleibt der (Selbst)Hass von den welchen einst schwer gedemütigten Kindern, die nicht rechtsextrem wurden (und das ist die Mehrheit der einst gedemütigten)? Er verpufft nicht. Er sucht sich andere Ausdrucksformen, je nach Möglichkeiten, Zufällen, Milieuzugang, Geschlecht usw. Das ist ein Problem, wenn Studien gemachte werden. Die Kindheit wird oft zu gering bewertet, weil so viele einst misshandelte Kinder eben nicht Terroristen und Massenmörder werden.

Drittens: "Unsere" gewaltbereiten Rechtsextremisten sind in Ländern wie Syrien heute islamistische Terroristen, in Südamerika Drogenbandenmitglieder, in den USA vielleicht Berufssoldaten die unzählige Menschen legal umbringen usw. usf.
Die Gruppenprozesse sind da sehr ähnlich.

Das angemerkte bitte als angehängte Gedankengänge verstehen. Mich beschäftigt derzeit sehr das Thema Extremismus in Deutschland. Mal sehen, was mir da noch so einfällt.