Viel zu selten habe ich die Zeit, mich mit bekannten Menschen zu beschäftigen, die eine weitgehend glückliche Kindheit hatten. Jane Goodall war ein solcher Mensch.
Meine Quelle: Goodall, Jane (2021). Grund zur Hoffnung. Autobiographie. Goldmann Verlag, München.
Ihre Berichte über ihre Kindheit sind natürlich viel umfangreicher, als ich es hier darstelle. Ich fokussiere mich hier nur auf die Details, die deutlich machen, wie der glückliche Grundrahmen für das Kind aussah.
Jane Goodall hat zudem sehr deutlich ihre Kindheit in einen Zusammenhang zu ihrem außergewöhnlichen Lebensweg gesetzt, was diese Autobiographie besonders interessant macht.
Ich stelle hier einfach die für mich zentralsten Auszüge unkommentiert vor. Jeder Leser und jede Leserin kann sich so ein Bild machen und diese Kindheit auch einordnen.
Ich selbst möchte nur eines anmerken: Solche Kindheitsgeschichten geben mir "Grund zur Hoffnung"!
„Zweifellos haben mich die Erziehung, die Familie, in die ich hineingeboren wurde, und die Ereignisse, die sich in meiner Kinderwelt abspielten, zu der Person geprägt, die ich werden sollte. Meine Schwester Judy (…) und ich wuchsen in einer Atmosphäre auf, die sanft durchdrungen war von christlichen Moralvorstellungen. (…) Von Anfang an wurde uns die Bedeutung menschlicher Werte wie Mut, Ehrlichkeit, Mitgefühl und Toleranz nahegebracht“ (Goodall 2021, S. 22 + 23).
An anderer Stelle schreibt sie passend: „Wie die meisten Kinder, die glücklich aufwachsen, hatte auch ich nie Grund, die religiösen Überzeugungen meiner Familie anzuzweifeln“ (S. 32).
„Wir hatten satt zu essen, genügend Kleidung und wuchsen in Liebe mit viel Lachen und Spaß auf. Im Grunde erlebte ich die beste Art von Kindheit: Da jeder Pfennig zählte, waren Extras wie Eiskrem, eine Reise mit dem Zug oder ein Kinobesuch ein aufregender Hochgenuß, der geschätzt wurde und in Erinnerung blieb. Wenn doch jeder mit einer solchen Kindheit, mit einer solchen Familie gesegnet wäre! Ich glaube, dann sähe es anders aus in unserer Welt“ (S. 23)
„Ich hatte eine Mutter, die meine Leidenschaft für Tiere und Pflanzen nicht nur tolerierte, sondern mich darin unterstützte und die mich, was noch wichtiger war, an mich selbst glauben lehrte“ (S. 23f.).
Goodall erzählt dann eine Geschichte aus ihrer frühen Kindheit. Sie hatte Regenwürmer mit ins Bett genommen. Die Mutter schimpfte nicht sondern erklärte, dass die Regenwürmer sterben werden, wenn sie hier im Haus bleiben würden. Jane brachte die Würmer dann schnell wieder nach draußen (S. 25).
Eine weitere Anekdote aus ihrer Kindheit stammt von der Zeit, als sie vier Jahre alt war. Während des Besuchs der Großmutter auf deren Bauernhof stellte sich für Jane die Frage, wo denn die Eier herkommen. Wo war an einem Huhn eine Öffnung, die groß genug war, dass dort ein Ei herauskommen konnte? Sie versteckte sich dann in einem Stall und wartete ca. vier Stunden lang, bis sie eine Henne beim Eierlegen beobachten konnte. Die Familie hatte das Kind die ganze Zeit gesucht und sogar die Polizei verständigt. „Meine Mutter, die mich immer noch suchte, sah plötzlich mich aufgeregtes Mädchen zum Haus rennen, und trotz der Sorgen, sie sie sich gemacht hatte, schalt sie mich nicht aus. Sie bemerkte, dass meine Augen leuchteten, setzte sich zu mir und hörte sich an, wie ein Huhn ein Ei legte und was für ein Wunder es war, als das Ei schließlich aufs Stroh fiel. Bestimmt hatte ich großes Glück, eine solche Mutter zu haben (…)“ (S. 27).
Der Zweite Weltkrieg trübte das Bild ein. Ihr Vater zog freiwillig in den Krieg. Die Kinder hörten das Donnern der Flugzeuge und Bombeneinschläge. Direkte Einschläge erlebte sie nicht, aber einmal wäre sie außerhalb des Hauses fast von einer Bombe getroffen worden, wenn nicht eine glückliche Fügung ihr einen anderen Weg gezeigt hätte. Sie schreibt: „Obgleich mein Leben noch immer von Liebe und Sicherheit erfüllt war, kam mir allmählich zu Bewusstsein, dass es noch eine andere Welt gab, eine harte, bittere Welt des Leidens, des Todes und der menschlichen Grausamkeit“ (S. 35).
Als Jane zwölf Jahre alt war, ließen sich ihre Eltern scheiden. Die Kriegsbedingte lange Trennung vom Vater brachte es mit sich, dass sich für Jane - nach ihren Worten -durch diese Trennung im Grunde nicht viel für sie änderte. (S. 39).
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen