Samstag, 12. September 2026

Die auffällig häufige Darstellung von Donald Trump als Baby oder Kleinkind

Unter dem Titel “Is it time for cartoonists to stop portraying Trump as a baby?” schrieb Michael Cavna (2017) in der Washington Post: “One of the more common visual metaphors since President Trump was elected — and a not-uncommon one throughout his candidacy — has been to depict him as a diapered crier, as though, through cartoon hyperbole, he’s to be considered some sort of ‚boss baby‘ “(Cavna 2017). Er fügte dem drei politische Cartoons bei: Trump als Baby, das auf eine geladene Waffe zu krabbelt, Trump als Baby in einem Kinderstuhl, das als Beikost die US-Politik serviert bekommt und einmal ein Bild vom Weißen Haus als Laufgitter/Laufstall in dem Schnuller, Fläschchen etc. zu sehen sind. 

Das Ausmaß an auffindbaren Bildern dieser Art veranlasste auch zu einer wissenschaftlichen Arbeit unter dem Titel "Kid President" (Templeton & Moffett 2019), für die dreißig politische Karikaturen aus den Jahren 2015 bis 2018, die Trump als Säugling oder Kleinkind zeigen, untersucht wurden. Trump wird in den untersuchten Bildern u.a. in Windeln und umgeben von typischen Gegenständen der kindlichen Lebenswelt gezeigt, während er Verhaltensweisen wie Weinen, Quengeln oder Wutanfälle an den Tag legt.

Viele dieser Art von Bildern findet man auch durch Google Suche mit Stichworten wie "trump cartoon todlere" oder "trump cartoon baby"

Über den „Donald Trump Baby-Ballon“ wurde weltweit und intensiv in den Medien berichtet (siehe z.B. Deutsche Welle 2018 oder auch auf Wikipedia). Der sechs Meter hohe, orangefarbene Zuschnitt zeigt Donald Trump als weinendes Kleinkind in Windeln. Er wurde als Protestmittel gegen Trumps Politik und seinen Regierungsstil entworfen und auf Demos während eines offiziellen Besuchs des US-Präsidenten im Vereinigten Königreich im Jahr 2018 gezeigt. Die Organisatoren bezeichneten sich selbst als „Trump-Babysitter“ und traten in Arbeitskleidung mit entsprechender Aufschrift auf.

Der New York Times-Gastbeitrag „When the World Is Led by a Child von David Brooks (2017)  vergleicht das Verhalten von Donald Trump mit dem eines Kleinkindes und kritisiert mangelnde Reife sowie Selbstkontrolle. 

Trump Verhaltensweisen erinnern in der Tat regelmäßig an die eines Kleinkindes. Eine Szene blieb mir besonders in Erinnerung. Am 16.03.2026 kommentierte Trump vor Journalisten die Entwicklungen rund um die kriegerischen Auseinandersetzungen mit dem Iran. An einer Stelle seines Monologs ließ er sich ein kleines Modell eines Bombers geben, hielt dies wie ein Spielzeug in der Hand und verfiel in den Sprachgebrauch eines Kindes: 

„(…) these gorgeous B–2 bombers—give me that bomber, Andrew. [Chairman Ferguson handed the President a model of a B–2 stealth bomber aircraft.] Let me just hug that little sucker. [Laughter] Give me that bomber over there. Thank you. He knew immediately which one. This looks small, but in person, it's very big” (The American Presidency Project 2026). Online ist diese Szene auch als Video zu sehen und wurde mit dem Titel „Boys and their toys!“ versehen. 

Tony Schwartz hat zusammen mit Donald Trump das Buch „The Art of the Deal“ geschrieben und entsprechend unzählige Gespräche mit Trump geführt. Er schreibt: „Trumps Weltsicht war zutiefst von seinem Vater geprägt; so schützte er sich selbst. (…) Ich zog aus unseren Gesprächen den Schluss, dass Trump, um zu überleben, gar nichts anderes übrig blieb, als der Welt den Krieg zu erklären. Es war eine duale Nullsummen-Wahl für ihn: Entweder man dominierte oder man unterlag. Entweder man erzeugte Angst und nutzte dies aus, oder man unterwarf sich der Angst – wie sein Bruder. Diese enge, defensive Sicht auf die Welt setzte sich bei ihm schon in sehr jungen Jahren fest, und sie entwickelte sich nie weiter. Zu einem neueren Biografen sagte er: ‚Wenn ich daran denke, wie ich in der ersten Klasse war, und wenn ich mich jetzt betrachte, dann muss ich sagen, ich bin im Grunde immer noch derselbe.‘ Seine Entwicklung ging im Wesentlichen nicht über seine frühe Kindheit hinaus“ (Schwartz 2018, S. 94).

Laut den bekannten psychologischen Fachleuten Philip Zimbardo & Rosemary Sword zeigt Trump das Profil eines extremen, völlig in der Gegenwart verhafteten Hedonisten (dieses Konzept erklären sie ausführlich, für diesen Text ist dies weniger relevant und auch aus Platzgründen nicht weiter ausführbar). Gegenwart-Hedonisten würden im Augenblick leben und verschwenden wenig oder gar keinen Gedanken an die Zukunft beziehungsweise an die Konsequenzen ihres Handelns. „Die meisten Kinder und Teenager sind Geegnwarts-Hedonisten. Jeden Tag entwickeln sie sich, wobei sie ihr Leben auf früheren Erfahrungen aufbauen, während ihre Vorstellung von der Zukunft noch im Entstehen begriffen ist. Menschen, deren emotionale Entwicklung stehengeblieben ist, für gewöhnlich aufgrund eines Kindheitstraumas, sind als Erwachsene Gegenwarts-Hedonisten. Ohne Therapie ist es schwierig bis unmöglich für sie, sich über das Alter hinaus, in dem ihnen das Trauma widerfahren ist, weiterzuentwickeln und emotional zu reifen. Als Erwachsene sind sie unter Umständen fähig, ihren Mangel an emotionaler Reife für eine Zeitlang zu verbergen, sobald sie jedoch unter Stress geraten, fallen sie in ihrem Verhalten auf die emotionale Altersstufe zurück, auf der sie zum Zeitpunkt ihrer ersten Traumatisierung waren. Abhängig vom Grad der Belastung, die das Kindheitstrauma für die Betroffenen bedeutet hat, kann sich der Gegenwarts-Hedonismus, der für ihre Zeitperspektive charakteristisch ist, in einen extremen Gegenwarts-Hedonismus verwandeln“ (Zimbardo & Sword 2018, S. 53).
Die Autoren betonen, dass sie ohne individuelle Untersuchung keine definitive Diagnose bzgl. Trump stellen können. Sie nähern sich dem allerdings durch öffentlich zugängliche Daten und auch Aussagen/Verhaltensweisen von Trump an. Als zentrale traumatisierende Erfahrungen verorten sie die Verbannung von Trump aus dem luxuriösen Elternhaus, als er dreizehn Jahre alt war und fortan in einem Militärinternat leben musste.

Ja, dies war ganz sicher ein traumatisches Erlebnis. Ich bin kein Psychologe, meine aber, dass wir das Kleinkindverhalten von Trump nicht nur auf dieses Erlebnis als Jugendlicher beziehen können. Das frühste bekannte Trauma ist der Beinahe-Tod seiner Mutter als Donald zwei Jahre alt war und er mit der Situation vollkommen allein gelassen wurde (siehe Infos dazu hier im Blog). All dies ist tragisch mit Blick auf das Kind, das er einst war. Wenn es allerdings stimmt, dass ein Teil von Trump psychisch „eingefroren“ und auf dem Stand eines Kleinkindes verblieben ist, dann ist dies eine sehr beunruhigende Beobachtung mit Blick auf den mächtigsten politischen Führer der Welt.


Ergänzende Infos:

"Too Much and Never Enough": Die Kindheit von Donald Trump

Die Kindheit von Donald Trump


Quellen:

Brooks, D. (2017, 17. Mai). When the World Is Led by a Child. The New York Times. https://www.nytimes.com/2017/05/15/opinion/trump-classified-data.html

Cavna, M (2017, 22. Aug.) Is it time for cartoonists to stop portraying Trump as a baby? The Washington Post. https://www.washingtonpost.com/news/comic-riffs/wp/2017/08/22/is-it-time-for-cartoonists-to-stop-portraying-trump-as-a-baby/

Deutsche Welle (2018, 13. Juli). Baby blimp flies as May holds talks with Trump. https://www.dw.com/en/london-protests-against-donald-trump-kick-off-with-trump-baby-blimp/a-44661242.

Schwartz, T. (2018). Ich habe zusammen mit Donald Trump The Art of the Deal geschrieben. Seine Selbstsabotage hat ihre Wurzeln in seiner Vergangenheit. In: Lee, B. X. (Hrsg.) (2018). Wie gefährlich ist Donald Trump? 27 Stellungnahmen aus Psychiatrie und Psychologie. Psychosozial-Verlag, Gießen. S. 93- 98.

The American Presidency Project (2026, 16. März). Remarks on Signing an Executive Order Establishing the Task Force To Eliminate Fraud and an Exchange With Reporters. https://www.presidency.ucsb.edu/documents/remarks-signing-executive-order-establishing-the-task-force-eliminate-fraud-and-exchange

Templeton, T. N., & Moffett, C. (2019). Kid President: The Aesthetics of Childhood in Political Cartoons. Jeunesse: Young People, Texts, Cultures, 11(2), S. 14-34. 

Zimbardo, P. & Sword, R. (2018). Ungezügelter und extremer Gegenwarts-Hedonismus. Wie der Führer der Freien Welt ein ums andere Mal unter Beweis gestellt hat, dass er amtsunfähig ist. In: Lee, B. X. (Hrsg.) (2018). Wie gefährlich ist Donald Trump? 27 Stellungnahmen aus Psychiatrie und Psychologie. Psychosozial-Verlag, Gießen. S. 47-72.

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