Wir haben Ende August und es wird Zeit für einen kurzen Rückblick auf EHEC bzw. das Ausmass der Erkrankungen und Todesfälle:
„Im Verlauf des Ausbruchsgeschehens wurden dem RKI insgesamt 4321 Fälle gemeldet, davon 3469 EHEC-Fälle und 852 HUS-Fälle. Insgesamt 50 Patienten sind gestorben, darunter 18 EHEC-Erkrankte und 32 HUS-Patienten.“ (Pressemitteilung des Robert Koch-Instituts vom 26.07.2011)
Außergewöhnlich hoch war die Fallzahl der Infizierten und die Schwere der Krankheitsverläufe, das ist unbestritten und tragisch. Insgesamt sind 50 Menschen gestorben. Davon, nach meinem Eindruck der damaligen Berichterstattung, ein hoher Anteil von Menschen im hohen Alter. Trotz dieser tragischen Todesfälle lässt sich im Rückblick bestätigen, dass die damalige Berichterstattung extrem panisch und hysterisch war. „Wir werden alle sterben, wenn wir Gemüse essen“, so könnte man die emotionale Lage der Medien und Menschen rückblickend etwas überspitzt darstellen (wobei die Übertragung durch Gemüse oder Sprossen bis heute nicht einwandfrei nachgewiesen werden konnte). Gestorben sind 50 Menschen, keine hundert, keine Tausend oder mehr.
Interessant ist für mich rückblickend auch, dass die Panikwelle im Mai 2011 begann und diese Panik vornehmlich in Deutschland herrschte, dem Land, das sich im UN-Sicherheitsrat bzgl. des Libyeneinsatzes enthalten hatte. Andere westliche Länder hatte indes Libyens Diktator zum aktuellen Feind erklärt, den man militärisch bekämpfte. In Deutschland wurde zwar über den Einsatz berichtet, aber eine wirkliche „Feindbildsstimmung“ wurde nicht wirklich erreicht, schließlich hielten wir uns da weitgehend raus. Kurz nach Beginn der Bombardierungen in Libyen fanden wir einen anderen „Feind“: Den Feind in unserem Essen. (Siehe dazu auch u.a. Der aktuelle Feind ist ein Keim namens EHEC)
Der EHEC Ausbruch war sicherlich ein Zufall. Was medial daraus gemacht wurde wohl eher nicht.
Mittwoch, 31. August 2011
Freitag, 26. August 2011
Libyen: Brauchte der Westen einen Feind und Menschenopfer?
Im “The New Zealand Herald” wurde unter dem Titel ”Amnesty questions Libyan mass rape” am 25.06.2011 berichtet, dass es laut Berichterstattern vor Ort keine Beweise für Massenvergewaltigungen oder Massenmord seitens der Truppen des Diktators gibt. Zitat: „Nato leaders, opposition groups and the media have produced a stream of stories since February 15 claiming the Gaddafi regime has ordered mass rapes, used foreign mercenaries and employed helicopters against civilian protesters. An investigation by Amnesty International has failed to find evidence for these human rights violations and in many cases has discredited or cast doubt on them.“
Die meisten Menschen starben – laut Amnesty International - in den ersten Tagen der Protestwelle in Benghazi, wo 100 bis 110 Menschen durch Anhänger oder Truppen des Diktators getötet wurden, und in Baida, wo 59 bis 64 Menschen starben. Dieses Zahlen sind schlimm, aber sie belegen, dass es keine unzähligen und massenhaften Tötungen in den Wochen vor dem NATO Einsatz gab oder gar die Gefahr eines Völkermordes bestand.
„In Libyen war und ist die Schwelle zum Völkermord nicht überschritten“, sagte die Generalsekretärin der deutschen Amnesty-Sektion, Monika Lüke, dem Tagesspiegel. „Der Einsatz droht mehr Leid zu bringen, als er verhindert“, wird sie weiter zitiert.
Auch die Bundesregierung hat in ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage (BT- Drs. 17/5409) unter dem Titel „Hintergründe des bewaffneten Angriffs auf Libyen“ bestätigt, dass „keine detaillierten Informationen über Angriffe der libyschen Luftwaffe auf Zivilisten“ vorliegen.
Sollten sich zukünftig weitere Beweise dafür finden lassen, dass Gaddafi nicht in dem Ausmass gegen Zivilisten vorging, wie es in den westlichen Medien so oft dargestellt wurde und sollten sich zukünftig Belege dafür finden, dass sehr viele Zivilisten durch die NATO Bombardierungen ums Leben kamen (Man gebe bei googel einmal "Tote NATO Einsatz Libyen Zivilisten" ein und finde etliche Artikel) oder durch diese in die Flucht getrieben wurden (Ich frage mich auch, wie viele Kinder allein dadurch traumatisiert wurden, dass täglich Bombeneinschläge durch NATO Angriffe - bei ca. 50 NATO-Kampfeinsätzen pro Tag - zu hören waren…), hätten wir hier folgende Situation:
Die reale Gewalt durch einen „Bösewicht“ wird zu Massenmord aufgebauscht, um dadurch militärische Einsätze zu rechtfertigen. Die folgenden militärischen Einsätze produzieren viel mehr Leid, Flüchtlinge, Zerstörung und Tote, als durch den eigentlich erklärten „Bösen“ zustande kam. Diesen „Bösen“ hat man vorher höchst persönlich selbst aufgerüstet.
Hier wird es dann psychohistorisch interessant, wenn auch erschreckend abgründig. Denn wenn eine Mehrheit der Bevölkerung als Kind Gewalt erlebte (was weiterhin auch für Europa gilt) und gleichzeitig ein starker ökonomischer und gesellschaftlicher Fortschritt stattfindet, steigt das Bedürfnis, Feinde zu finden und zu bekämpfen oder sich selbst zu opfern z.B. in Form von einer ökonomischen Krise, so die psychohistorische These. Derzeit findet offensichtlich beides statt. Vielleicht, weil das Feindbild „Diktator in Libyen“ nicht so viel hergibt, wie z.B. die früheren Feindbilder "Ostblock" oder "Osama bin Laden". Deutschland zeigte in der Libyenfrage, dass sich emotional einiges bei uns getan hat, denn unsere Regierung war nicht bereit, an der offensichtlichen Opferung von Menschen teilzunehmen. Dafür verdient sie Respekt (hätte nicht gedacht, dass ich das einmal schreiben würde…)!
Bereits jetzt kursieren Theorien bzgl. der "wahren Hintergründe" des NATO-Einsatzes. Es ginge - wie immer - um Rohstoffe und Geld. Wie schon beim Irakkrieg wird sich diese Theorie als Seifenblase erweisen. Schauen wir uns die aktuellen Exportpartner Libyens an: Italien 37%, Deutschland 16,6%, Spanien 11,9%, Türkei 7,1%, Frankreich 6,2%. Importpartner: Italien 25,5%, Deutschland 11%, Südkorea 6,1%, Vereinigtes Königreich 5,4%, Tunesien 4,7%, Türkei 4,6%. (vgl. http://www.ipicture.de/daten/wirtschaft_lybien.html) Die USA, Frankreich und Großbritannien - die Hauptakteure beim NATO Einsatz - haben bisher wirtschaftlich wenig mit dieser Region zu tun. Voraussichtlich wird sich das auch nach dem Krieg kaum ändern.
Die meisten Menschen starben – laut Amnesty International - in den ersten Tagen der Protestwelle in Benghazi, wo 100 bis 110 Menschen durch Anhänger oder Truppen des Diktators getötet wurden, und in Baida, wo 59 bis 64 Menschen starben. Dieses Zahlen sind schlimm, aber sie belegen, dass es keine unzähligen und massenhaften Tötungen in den Wochen vor dem NATO Einsatz gab oder gar die Gefahr eines Völkermordes bestand.
„In Libyen war und ist die Schwelle zum Völkermord nicht überschritten“, sagte die Generalsekretärin der deutschen Amnesty-Sektion, Monika Lüke, dem Tagesspiegel. „Der Einsatz droht mehr Leid zu bringen, als er verhindert“, wird sie weiter zitiert.
Auch die Bundesregierung hat in ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage (BT- Drs. 17/5409) unter dem Titel „Hintergründe des bewaffneten Angriffs auf Libyen“ bestätigt, dass „keine detaillierten Informationen über Angriffe der libyschen Luftwaffe auf Zivilisten“ vorliegen.
Sollten sich zukünftig weitere Beweise dafür finden lassen, dass Gaddafi nicht in dem Ausmass gegen Zivilisten vorging, wie es in den westlichen Medien so oft dargestellt wurde und sollten sich zukünftig Belege dafür finden, dass sehr viele Zivilisten durch die NATO Bombardierungen ums Leben kamen (Man gebe bei googel einmal "Tote NATO Einsatz Libyen Zivilisten" ein und finde etliche Artikel) oder durch diese in die Flucht getrieben wurden (Ich frage mich auch, wie viele Kinder allein dadurch traumatisiert wurden, dass täglich Bombeneinschläge durch NATO Angriffe - bei ca. 50 NATO-Kampfeinsätzen pro Tag - zu hören waren…), hätten wir hier folgende Situation:
Die reale Gewalt durch einen „Bösewicht“ wird zu Massenmord aufgebauscht, um dadurch militärische Einsätze zu rechtfertigen. Die folgenden militärischen Einsätze produzieren viel mehr Leid, Flüchtlinge, Zerstörung und Tote, als durch den eigentlich erklärten „Bösen“ zustande kam. Diesen „Bösen“ hat man vorher höchst persönlich selbst aufgerüstet.
Hier wird es dann psychohistorisch interessant, wenn auch erschreckend abgründig. Denn wenn eine Mehrheit der Bevölkerung als Kind Gewalt erlebte (was weiterhin auch für Europa gilt) und gleichzeitig ein starker ökonomischer und gesellschaftlicher Fortschritt stattfindet, steigt das Bedürfnis, Feinde zu finden und zu bekämpfen oder sich selbst zu opfern z.B. in Form von einer ökonomischen Krise, so die psychohistorische These. Derzeit findet offensichtlich beides statt. Vielleicht, weil das Feindbild „Diktator in Libyen“ nicht so viel hergibt, wie z.B. die früheren Feindbilder "Ostblock" oder "Osama bin Laden". Deutschland zeigte in der Libyenfrage, dass sich emotional einiges bei uns getan hat, denn unsere Regierung war nicht bereit, an der offensichtlichen Opferung von Menschen teilzunehmen. Dafür verdient sie Respekt (hätte nicht gedacht, dass ich das einmal schreiben würde…)!
Bereits jetzt kursieren Theorien bzgl. der "wahren Hintergründe" des NATO-Einsatzes. Es ginge - wie immer - um Rohstoffe und Geld. Wie schon beim Irakkrieg wird sich diese Theorie als Seifenblase erweisen. Schauen wir uns die aktuellen Exportpartner Libyens an: Italien 37%, Deutschland 16,6%, Spanien 11,9%, Türkei 7,1%, Frankreich 6,2%. Importpartner: Italien 25,5%, Deutschland 11%, Südkorea 6,1%, Vereinigtes Königreich 5,4%, Tunesien 4,7%, Türkei 4,6%. (vgl. http://www.ipicture.de/daten/wirtschaft_lybien.html) Die USA, Frankreich und Großbritannien - die Hauptakteure beim NATO Einsatz - haben bisher wirtschaftlich wenig mit dieser Region zu tun. Voraussichtlich wird sich das auch nach dem Krieg kaum ändern.
Mittwoch, 24. August 2011
Libyen: „Prügel für Westerwelle“ und all die anderen Weicheier
Westerwelle bekommt derzeit starke Kritik auf Grund seiner Äußerungen zu den aktuellen „Erfolgen“ der „Rebellen“ in Libyen. Der Außenminister hat sich in der Tat ungeschickt geäußert. Ich hätte mir gewünscht, dass er einfach gesagt hätte: „Wir stehen zu unserer Entscheidung der Enthaltung.“ Punkt.
Besorgniserregend finde ich viel mehr eine andere Entwicklung, die durch den heutigen Artikel „Prügel für Westerwelle“ in der Basler Zeitung deutlich rüberkommt: Krieg wird als notwendiges und erfolgreiches Mittel der westlichen Politik gefeiert. Länder und Politiker, die da nicht mitmachen, sind „Weicheier“ und verdienen (symbolisch) „Prügel“. Eine solche Tendenz und Symbolik verrät viel über tiefere, emotionale Beweggründe.
In den letzten Tagen sah man eine ganze Reihe von Fotos von den „Rebellen“, i.d.R. hatten sie Waffen in der Hand, standen siegessicher und feiernd vor zerbombten Gebäuden, brennenden Autos usw. Diese Leute wirken auf mich nicht weniger bedrohlich, als die Leute des Diktators. Sie wirken auf mich unberechenbar. „Einheiten der Aufständischen seien für Plünderungen, Brandstiftungen und Gewalt gegen Zivilisten verantwortlich“, erklärte die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) im Juli (siehe hier). Diese Kurzmeldung las man hier und da. Bisher habe ich nicht wahrgenommen, dass in den Medien ein wirkliches Interesse daran besteht, die „Rebellen“ kritisch zu betrachten und Nachforschungen anzustellen.
Die hohen Opfer- und Flüchtlingszahlen scheinen auch schon vergessen. (siehe dazu Der Libyeneinsatz war bisher ein "voller Erfolg") Mehr noch, man meint, der NATO Einsatz hätte Menschenleben gerettet. Wie immer werden bei westlichen Kriegen die „Kollateralschäden“ gegen mögliche gerettet Menschenleben aufgerechnet. Man darf so und so viel Menschen opfern um so und so viel Menschen zu retten. Das ist eine Einstellung, die in allen anderen Bereichen des westlichen Lebens absolut undenkbar wäre! Nur im Krieg gegen "das Böse" außerhalb unserer Grenzen gilt diese Regel nicht mehr.
Gut und Böse wurden mal wieder sauber getrennt. Die Realität der weiteren Entwicklung unter einer möglichen Herrschaft der „Rebellen“ wird zeigen, ob dieses Bild so stimmt. Sofern sich der Westen nach der Bombardierung des Landes, Aufrüstung einer „Rebellenarmee“, Verdrängens dessen, dass man Diktator Gaddafi einst hofierte und selbst aufrüstete und einer nun gewonnen selbstherrlichen Sieges-/Machtdemonstration überhaupt noch für die Lebenssituation der Bevölkerung dort interessiert.
Info-Anhang: Seit Beginn des NATO Angriffs am 31.03.2011 hat das westliche Bündnis 20.121 Einsätze in Libyen durchgeführt, davon waren 7.587 Kampfeinsätze, also im Schnitt ca. 50 Kampfeinsätze pro Tag! (vgl. NATO Bericht vom 24.08.11)
Besorgniserregend finde ich viel mehr eine andere Entwicklung, die durch den heutigen Artikel „Prügel für Westerwelle“ in der Basler Zeitung deutlich rüberkommt: Krieg wird als notwendiges und erfolgreiches Mittel der westlichen Politik gefeiert. Länder und Politiker, die da nicht mitmachen, sind „Weicheier“ und verdienen (symbolisch) „Prügel“. Eine solche Tendenz und Symbolik verrät viel über tiefere, emotionale Beweggründe.
In den letzten Tagen sah man eine ganze Reihe von Fotos von den „Rebellen“, i.d.R. hatten sie Waffen in der Hand, standen siegessicher und feiernd vor zerbombten Gebäuden, brennenden Autos usw. Diese Leute wirken auf mich nicht weniger bedrohlich, als die Leute des Diktators. Sie wirken auf mich unberechenbar. „Einheiten der Aufständischen seien für Plünderungen, Brandstiftungen und Gewalt gegen Zivilisten verantwortlich“, erklärte die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) im Juli (siehe hier). Diese Kurzmeldung las man hier und da. Bisher habe ich nicht wahrgenommen, dass in den Medien ein wirkliches Interesse daran besteht, die „Rebellen“ kritisch zu betrachten und Nachforschungen anzustellen.
Die hohen Opfer- und Flüchtlingszahlen scheinen auch schon vergessen. (siehe dazu Der Libyeneinsatz war bisher ein "voller Erfolg") Mehr noch, man meint, der NATO Einsatz hätte Menschenleben gerettet. Wie immer werden bei westlichen Kriegen die „Kollateralschäden“ gegen mögliche gerettet Menschenleben aufgerechnet. Man darf so und so viel Menschen opfern um so und so viel Menschen zu retten. Das ist eine Einstellung, die in allen anderen Bereichen des westlichen Lebens absolut undenkbar wäre! Nur im Krieg gegen "das Böse" außerhalb unserer Grenzen gilt diese Regel nicht mehr.
Gut und Böse wurden mal wieder sauber getrennt. Die Realität der weiteren Entwicklung unter einer möglichen Herrschaft der „Rebellen“ wird zeigen, ob dieses Bild so stimmt. Sofern sich der Westen nach der Bombardierung des Landes, Aufrüstung einer „Rebellenarmee“, Verdrängens dessen, dass man Diktator Gaddafi einst hofierte und selbst aufrüstete und einer nun gewonnen selbstherrlichen Sieges-/Machtdemonstration überhaupt noch für die Lebenssituation der Bevölkerung dort interessiert.
Info-Anhang: Seit Beginn des NATO Angriffs am 31.03.2011 hat das westliche Bündnis 20.121 Einsätze in Libyen durchgeführt, davon waren 7.587 Kampfeinsätze, also im Schnitt ca. 50 Kampfeinsätze pro Tag! (vgl. NATO Bericht vom 24.08.11)
Freitag, 19. August 2011
Stammesgesellschaften: Die Hälfte aller Männer erschlagen
Derzeit häufen sich Artikel, die die „Lust am Böse“ als quasi naturbedingt voraussetzen. So auch der aktuelle Artikel "Du darfst nicht immer töten" in der ZEIT.
„Ich bin überzeugt, dass der Mensch darauf ausgelegt ist, Gewalt auszuüben.“, sagt der Neuropsychologe Thomas Elbert im Interview. Wobei er im Interview auch ganz andere Sachen sagt und mehrmals den Einfluss der Kindheit erwähnt. Naja…
Eine Passage möchte ich besonders kommentieren: „Menschen können Menschen töten, und in primitiven Kulturen tun sie das auch. Die Untersuchungen steinzeitlicher Kulturen zeigen, dass die Hälfte aller Männer erschlagen worden ist. Und von unserer genetischen Zusammensetzung sind wir nicht großartig anders als der Steinzeitmensch. Die Bereitschaft zu töten, war damals keine psychopathologische Variante, die selten auftritt. Es war die Regel.“
Wer sich mit der Psychohistorie auskennt, kennt die eigentlichen Antworten auf diese Feststellung. In der Tat mordeten die Menschen früher mehr bzw. wird in Stammesgesellschaften mehr Gewalt ausgeübt. Auf Wikipedia kann man sich dazu eine interessante Grafik anschauen. In Stammesgesellschaften war der Anteil der Kriegstoten um ein Vielfaches höher, als im Europa oder den USA des 20. Jahrhunderts. Die Antwort liegt allerdings nicht in der „Natur des Bösen“, sondern in den Kindheiten zu früheren Zeiten bzw. den Kindheiten in Stammesgesellschaften: Historische Kindererziehungspraktiken und Persönlichkeiten
„Ich bin überzeugt, dass der Mensch darauf ausgelegt ist, Gewalt auszuüben.“, sagt der Neuropsychologe Thomas Elbert im Interview. Wobei er im Interview auch ganz andere Sachen sagt und mehrmals den Einfluss der Kindheit erwähnt. Naja…
Eine Passage möchte ich besonders kommentieren: „Menschen können Menschen töten, und in primitiven Kulturen tun sie das auch. Die Untersuchungen steinzeitlicher Kulturen zeigen, dass die Hälfte aller Männer erschlagen worden ist. Und von unserer genetischen Zusammensetzung sind wir nicht großartig anders als der Steinzeitmensch. Die Bereitschaft zu töten, war damals keine psychopathologische Variante, die selten auftritt. Es war die Regel.“
Wer sich mit der Psychohistorie auskennt, kennt die eigentlichen Antworten auf diese Feststellung. In der Tat mordeten die Menschen früher mehr bzw. wird in Stammesgesellschaften mehr Gewalt ausgeübt. Auf Wikipedia kann man sich dazu eine interessante Grafik anschauen. In Stammesgesellschaften war der Anteil der Kriegstoten um ein Vielfaches höher, als im Europa oder den USA des 20. Jahrhunderts. Die Antwort liegt allerdings nicht in der „Natur des Bösen“, sondern in den Kindheiten zu früheren Zeiten bzw. den Kindheiten in Stammesgesellschaften: Historische Kindererziehungspraktiken und Persönlichkeiten
Zwei alte Männer und die Revolution
Kürzlich bekam ich das Gespräch zwischen zwei älteren Männern mit (ca. Mitte 60 und Anfang/Mitte 70). Beide unterhielten sich darüber, dass heutzutage den jungen Leuten in der Ausbildung mehr ihre Rechte als ihre Pflichten aufgezeigt würden. Die Jungen würden zu viel Widerspruch zeigen, aber dabei gleichzeitig ihre Pflichten vernachlässigen. Früher war das anders. Da gab es schon mal von dem Lehrer ordentlich mit dem Rohrstock was auf die Finger. Beide lachten. „Und der Lehrer war auch noch ein Freund meines Vaters.“, sagte der eine. „Wenn ich meinem Vater davon erzählt hätte, hätte ich zu Hause auch noch gleich was hinten drauf bekommen“. Beide lachten wieder.
Hier zeigt sich, wie fatal die Misshandlung von Kindern wirkt. Beide Männer haben offensichtlich keinen emotionalen Zugang zu dem Kind, das sie damals waren. Wenn sie einen Zugang zu ihrer Geschichte hätten, würden sie nicht über das lachen, was sie berichteten. Sie wären ernst und würden sagen: „Das war schlimm und gut das es heute anders ist.“ Ein Vater, der ein Kind schlagen würde, wenn es berichtet, dass es vom Lehrer geschlagen wurde, ist ein Albtraum!
Mir wurde durch diese Beobachtung mal wieder sehr deutlich, was für eine tiefe Umwälzung ja Revolution sich in unserem Land bzgl. des Umgangs mit Kindern vollzogen hat. Eine Revolution (vielleicht die größte Revolution, die unser Land je erlebt hat), die langsam und leise stattfand und über deren enormen Auswirkungen kaum jemand wirklich nachdenkt oder gar wissenschaftlich forscht. Dieser Entwicklungsprozess ist noch im vollen Gange und ist gleichzeitig ein Prozess, der vom öffentlichen Bewusstsein ausgeklammert bleibt. Schade eigentlich.
Hier zeigt sich, wie fatal die Misshandlung von Kindern wirkt. Beide Männer haben offensichtlich keinen emotionalen Zugang zu dem Kind, das sie damals waren. Wenn sie einen Zugang zu ihrer Geschichte hätten, würden sie nicht über das lachen, was sie berichteten. Sie wären ernst und würden sagen: „Das war schlimm und gut das es heute anders ist.“ Ein Vater, der ein Kind schlagen würde, wenn es berichtet, dass es vom Lehrer geschlagen wurde, ist ein Albtraum!
Mir wurde durch diese Beobachtung mal wieder sehr deutlich, was für eine tiefe Umwälzung ja Revolution sich in unserem Land bzgl. des Umgangs mit Kindern vollzogen hat. Eine Revolution (vielleicht die größte Revolution, die unser Land je erlebt hat), die langsam und leise stattfand und über deren enormen Auswirkungen kaum jemand wirklich nachdenkt oder gar wissenschaftlich forscht. Dieser Entwicklungsprozess ist noch im vollen Gange und ist gleichzeitig ein Prozess, der vom öffentlichen Bewusstsein ausgeklammert bleibt. Schade eigentlich.
Montag, 15. August 2011
Joachim Bauers "Schmerzgrenze" - Ein Kommentar
!! Dieser Beitrag wurde aktualisiert und findet sich jetzt hier. !!
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