Freitag, 10. September 2010

George W. Bush: war "feels good"

19. März 2003, 22.15 Uhr, Washington:
Bush ballt Hand zur Siegesfaust, sagt "feels good!". Dann verkündet er der Nation, dass der Krieg begonnen hat. Amerika ist am Ziel. Die ersten Bomben fallen auf Bagdad.“ Das sind die Schlussworte aus dem Stern Artikel „Die Kriegslüge“ vom 11.03.2004, einer der besten Artikel, den ich bisher zu dem Thema gelesen habe. Der Krieg war das feste Ziel, der Weg dahin wird im Artikel haarklein aufgezeigt. Er bestand aus gezielten Lügen, Druckausübung auf Mitarbeiter, Wegesehen, Umdichten, Schaffung von „Realitäten“ usw. (was ja vielen schon bekannt sein dürfte) und vor allem aus einer Eskalationsstrategie in der Sprache über den Irak gegenüber dem eigenen amerikanischen Volk. Saddam Hussein musste als böses Monster aufgebaut werden, damit die AmerikanerInnen dem Krieg folgen würden. Dies gelang, wie wir alle wissen, in Perfektion.

Im Stern Artikel kam auch immer wieder auf dem Weg zum Krieg zur Sprache, dass einzelne interne Mitarbeiter aus Beraterkreisen, Geheimdiensten usw. es kaum glauben konnten, was die Führungsspitze da aufbaute und von sich gab. Vielen war klar, dass der Irak keine Gefahr für die USA darstellte. Viele schwiegen, obwohl sie den Wahnsinn kommen sahen. Als Deutsche wissen wir nur zu gut um diese Prozesse. (Ich erinnere an dieser Stelle auch an das Kapitel "Das einst misshandelte Volk identifiziert sich mit dem Aggressor" im Grundlagentext)

Je mehr ich mich mit dem Irakkrieg und George W. Bush beschäftige, desto mehr wird mir klar, dass dieser Weg zum Krieg in der Tat sehr viel etwas mit totalem Realitätsverlust und Wahnvorstellungen zu tun hatte. Die amerikanische Führung war kriegslüstern und das Volk folgte ihnen bereitwillig, ohne irgendetwas von dem, was da vor sich ging, kritisch zu hinterfragen.
Für Krieg und Wohlstandsreduzierung war George W. Bush auch gewählt worden. Kurz nach seinem Wahlsieg sagte er am 14. Juni 2001 zum schwedischen Premierminister Göran Perrson: „Irre, dass ich gewonnen habe. Ich trat an gegen Frieden, Wohlstand und gegen den Amtsinhaber.“ (Original: „It was amazing I won. I was running against peace and prosperity and incumbency.“) Bush hatte nicht bemerkt, dass eine Fernsehkamera noch lief. Deutlicher kann man nicht werden.

Für mich persönlich ist die Rückschau auf diesen Krieg immer noch auch ein Stück weit Aufarbeitung und Verarbeitung. Dass dieser Wahnsinn im 21. Jahrhundert möglich war, hat mich zutiefst schockiert. Dass ein ähnlicher Wahnsinn weiterhin in Afghanistan stattfindet, schockiert mich weiterhin.

Ich bin mir sicher, dass ein geschickter Analytiker, der sich mit den Ereignissen und Reden dieser Zeit beschäftigen würde, sehr klar den emotionalen Gehalt des Krieges und dessen Vorbereitung herausstellen könnte. Überall finden sich Hinweise darauf. Man könnte wahrscheinlich ein ganzes Buch dazu schreiben.

Auf zwei Dinge möchte ich in diesem Zusammenhang hier noch hinweisen. Bush besuchte am 11. September 2001 eine Grundschule in Florida - als er von dem zweiten Flugzeug erfuhr, das im World Trade Center eingeschlagen war. „Ein zweites Flugzeug hat den zweiten Turm getroffen. Amerika wird angegriffen.“, flüsterte ihm ein Mitarbeiter zu. Wie versteinert saß er ca. 7 Minuten da und tat gar nichts. Dies brachte ihm viel Spott ein. Viele fragten sich: Was dachte er in diesen Minuten?
Viele scheinen nichts über die traumatische Kindheit von George W. Bush zu wissen. Wenn man darum weiß, dann könnte man diese „7 Minuten Starre“ auch als eine Retraumatisierung deuten, während der Bush wieder in die alte Ohnmacht und Schockstarre aus seiner Kindheit zurückfiel. Ein extremer Angriff von Außen fand statt, gleichzeitig wiederholten Kinderstimmen eintönig die Vorgaben der Lehrerin in der Grundschulklasse. (auf youtube kann sich jeder das Video ansehen). Es hat etwas sehr symbolisches, dass Bush gerade zu diesem Zeitpunkt in Mitten von Kindern saß...

„feels good!" sagte George W. Bush, als er den Beginn des Krieges verkündete (siehe oben). Das alleine sagt im Grunde schon alles. Mit emotionaler Freude wurde in der Geschichte immer und immer wieder auf den Beginn von Krieg von Menschen reagiert. Kaum ein Forschender hat sich bisher wirklich gefragt, was das auf sich hat. Warum sich Menschen auf das Töten anderer Menschen freuen und auch auf den evtl. eigenen Tod. (siehe dazu z.B. auch den Beitrag „Krieg der Kindergangs“ ) Vielmehr folgt die Rationalisierung von Kriegen in der späteren Analyse (siehe meine vorherigen Beiträge zum vermeintlichen Ölkrieg, der aber gar keiner war). Da muss dringend ein Umdenken stattfinden. Es muss klar werden, dass einzelne Menschen wie z.B. Bush aber auch Nationen sich auf Grund traumatischer Kindheitserfahrungen „schlecht fühlen“, dass ein gesellschaftlicher und ökonomischer Fortschritt dieses „sich schlecht fühlen“ noch (bis ins unerträgliche) verstärkt und sie sich dann endlich „gut fühlen“, wenn sie etwas großes zerstören können, wenn ein deutlicher Feind gefunden wurde, wenn Menschen sterben und die Wirtschaftskraft zurückfällt.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

im journal of psychohistory sind auch einige sehr interessante artikel zum 11.september erschienen.
eine psychologische betrachtung zum 911 in all seinen facetten, von motivation bis massenpsychologie steht angesichts einiger "disturbing facts" noch aus

Sven Fuchs hat gesagt…

Danke für den Hinweis.
Ich persönlich vermeide wenn möglich englische Texte, weil es mir an etlichen Fachwörtern fehlt und das Lesen dadurch viel Zeit einnimmt.
So weit ich weiß, könnte ich das "journal of psychohistory" auch nur direkt in den USA bestellen, oder über amazon.com.
Wenn ich Zeit finde, werde ich dem vielleicht noch mal nachgehen.

Wenn Du magst, kannst Du allerdings gerne einen Gastbeitrag schreiben, und die Dinge, die Du im Journal dazu gelesen hast und wichtig findest zusammenfassen. Nur ein Vorschlag.

Anonym hat gesagt…

ok, ich habe die ausgabe gerade noch einmal rausgesucht-volumen 35 nr.o4 2008. der hauptartikel ist Lloyd de Mause "the seven phases of going to war". Auf diesen Artikel- verknüpft mit dem 11.September bezieht sich dann Matt Everett in der selben Ausgabe in "Faked Provocations: symbolic traumas as a pretext for war". im internet nicht findbar.
Wenn ich mal Zeit habe schreibe ich da mal eine Zusammenfassung von und schick sie dir.
Die Texte von DeMause werden aber in absehbarer Zeit auch als Buch veröffentlicht und irgendwann bestimmt übersetzt.

Sven Fuchs hat gesagt…

super!