Posts für Suchanfrage Michel & Schiebel werden nach Relevanz sortiert angezeigt. Nach Datum sortieren Alle Posts anzeigen
Posts für Suchanfrage Michel & Schiebel werden nach Relevanz sortiert angezeigt. Nach Datum sortieren Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 4. März 2020

Zwei kleine Studien über die Kindheitserfahrungen von Rechtsextremisten

Es gibt auch kleinere Untersuchungen, die sich mit der Sozialisation und auch Kindheit von Rechtsextremisten befasst haben. Zwei möchte ich heute vorstellen.

Beginnen wir mit folgender Arbeit:
Nölke, E. ( 1998): Marginalisierung und Rechtsextremismus. Exemplarische Rekonstruktion der Biographie- und Bildungsverläufe von Jugendlichen aus dem Umfeld der rechten Szene. In: König, H.-D. (Hrsg.): Sozialpsychologie des Rechtsextremismus. Suhrkamp -Taschenbuch Wissenschaft, Frankfurt am Main. S. 257-278.

Eberhard Nölke hat im Rahmen eines Projektes an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg zwei Jugendliche, die der rechten Jugendszene nahestehen, befragt.

Der Fall Michael (zum Zeitpunkt der Befragung inhaftiert):

War eigentlich ne ganz gute Kindheit so, also die ersten zwei Jahre gings“, sagte Michael (S. 259).
In Falldarstellungen von Gewalttätern oder Extremisten findet man solche Sätze nach meiner Erfahrung gar nicht so selten. „War ganz normal“ + „Alles gut“ sind Aussagen zur eigenen Kindheit, die bei genauer Betrachtung so gar nicht gut und so gar nicht normal sind. Im Fall von Michael sieht man die dunkle Seite seiner Kindheit schon gleich im Nachsatz: „also die ersten zwei Jahre gings“…

Schauen wir uns also einige wesentliche Daten zur Kindheit von Michael an: Zu seinem Vater hatte er kein gutes Verhältnis und konnte sich mit diesem auch nicht über Probleme austauschen. Über seine Mutter und die Beziehung zu ihr gibt Michael gar nichts Preis. Wie problematisch die Verhältnisse in der Familie (die zudem mit sechs Kindern sehr kinderreich war) waren, wird an einer Stelle sehr deutlich: „Auf Nachfragen des Interviewers hin erzählt Michael ergänzend, dass es in der Familie oft zu Streitereien und gewalttätigen Auseinandersetzungen kam, insbesondere zwischen den Eltern sowie seinen beiden älteren Brüdern und dem alkoholisierten Vater. Die biographische Erzählung über die Kindheit wird hier auch zur retrospektiven Annäherung an traumatisierende Erfahrungen und gerät zum Versuch, das Geschehene auszublenden oder zu neutralisieren“ (Nölke 1998, S. 260f).
In der Schule gab es große Probleme, was letztendlich dazu führte, dass Michael auf eine Sonderschule kam. Der weitere Eskalationsprozess nahm seinen Lauf:  „Die zunehmende Entkoppelung von der Schule, der steigende Alkoholkonsum sowie die sich häufenden Diebstähle und gewaltsamen Auseinandersetzungen, in die Michael und sein älterer Bruder verstrickt sind, führen schließlich, nach zahlreichen vergeblichen Interventionen des Jugendamtes, zur Unterbringung in einem entfernt gelegenen Heim“ (Nölke 1998,. 266). Dort traf er auf einen rechten Skinhead, den er als „Artgenossen“ beschrieb. Mit ihm habe er nächtelang über die Nazizeit reden können.

Der Fall Erich:

Über die Kindheit von Erich erhält man nur sehr wenig Informationen (vor allem zum Erziehungsstil gibt es im Grunde keine Infos). Zwei Belastungen stechen ins Auge: Sein Vater verunglückte tödlich, als Erich zwei Jahre alt war. Nach dem Tod des Vaters heiratete seine Mutter erneut. Den Stiefvater kennzeichnet Erich als „Arbeitstier“, der auch im Anschluss seiner Arbeit noch einige Stunden im Keller arbeitete. Auch die Mutter war berufstätig, so dass Erich nach der Schule in einen Hort kam. Viel Zeit der Eltern für das Kind scheint also nicht dagewesen zu sein. Bzgl. des Stiefvaters deutet Erich einen hohen Alkoholkonsum (dieser habe „noch ausgiebiger gefeiert“, als er selbst) an. Bzgl. seines leiblichen Vaters deutet sich an, dass dieser alkoholisiert war, als er mit dem Auto verunglückte. Auch Erich neigt sehr dem Alkohol zu. Erich wird schließlich Teil der rechten Skinheadszene in Ostdeutschland (Nölke 1998,. 268-272). Vom Autor wird Erich als ein durch „Konventionalismus und Unterwürfigkeit unter Autoritäten geleiteter Typus“ beschrieben, dessen Lebens-Prinzip man wie folgt beschreiben könnte: „Man kann eh nichts machen, das ganze Leben ist ein Kompromiss“ (Nölke 1998, S. 275f)

-------------------------------------------------------------------

Für nachfolgende Studie wurden drei Interviews mit männlichen Jugendlichen aus der rechtsextremen Szene geführt: Michel, S. & Schiebel, M. (1989): Lebensgeschichten von rechtsextremen Jugendlichen. In: Rosenthal, G. (Hrsg.): Wie erzählen Menschen ihre Lebensgeschichte? Hermeneutische Fallrekonstruktion distinkter Typen. Forschungsbericht des Lehrprojektes: „Biographie“. Universität Bielefeld, Fakultät für Soziologie. S. 212-233.

Der erste Befragte begann seine Erzählung mit den Worten, dass seine Kindheit „normal“ verlaufen wäre (Michel & Schiebel 1989, S. 213). Auf ähnliche typische Ausführungen in diese Richtung habe ich oben schon hingewiesen. Die weiteren Details: Seine Eltern trennten sich und er sei danach vorübergehend in ein Internat in die Schweiz abgeschoben worden. Über diese Zeit schwieg sich der Befragte aus. Nach dem Internat habe er abwechselnd bei seiner Mutter und bei seinem Vater gelebt. Den Anstoß zu den jeweiligen Umzügen gab immer ein Streit (Michel & Schiebel 1989, S. 213f) Das Interview wurde in einer Kneipe geführt, in der sich rechte Jugendliche trafen. Das Interview sei immer wieder von Anwesenden gestört worden. Ich gehe davon aus, dass in diesem Rahmen kaum Angaben des Befragten über evtl. erlebte schwere Belastungen (Gewalt, Vernachlässigung, Missbrauch usw.) zu erwarten sind. Trotzdem zeigten die o.g. Ausführungen bereits ein sehr konfliktbeladenes Aufwachsen.

Die zweite Befragung fand im gleichen Rahmen statt. „Er begann seine Darstellung mit der Schilderung einer durchweh konfliktreichen Kindheit. Die Scheidung seiner Eltern und ein mehrmaliger Umgebungswechsel (Pflegefamilie, Schwägerin, Internat) waren seiner Darstellung zufolge für seine Kindheit und Jugend kennzeichnend“ (Michel & Schiebel 1989, S. 215). Er erwähnt weitere Krisen in seinem Leben, wie die Trennung von seiner Freundin und später einen Selbstmordversuch. Zum Zeitpunkt der Befragung war er 19 Jahre alt und wohnte weit entfernt von seinen Eltern und der Pflegefamilie. Seine wesentlichen Kontakte hatte er in der rechten Szene (Familienersatz?).

Der dritte Befragte (dieses Interview fand in einem Haus statt, allerdings auch nicht alleine, ein anderer junger Mensch – wohl ebenfalls aus der rechten Szene - war dabei anwesend) hat, laut den Autoren, sehr wenig über sein Leben Preis gegeben. Nur so viel kam zur Kindheit zu Tage: Seine Eltern ließen sich scheiden, als er fünf Jahre alt war. Mit zwei jüngeren Geschwistern kam er bei seiner Mutter unter. Während seiner Hauptschulzeit sei er viel in gewalttätige Konflikte verwickelt gewesen (Michel & Schiebel 1989, S. 216).


Abschließende Bemerkung:

In beiden Studien konnten deutliche Belastungen in der Kindheit der Befragten aufgezeigt werden. Allerdings offenbaren sich auch die Schwierigkeiten, vertiefende Informationen zur Kindheit von rechtsextremen Personen zu bekommen. Bagatellisierungen scheinen eher die Regel zu sein (was sich auch in anderen Studien zeigt). Ich würde dem noch anhängen, dass rechtsextreme Akteure ja bereits durch ihre Gesinnung deutlich machen, dass sie nach Außen Stärke, Kontrolle und Macht demonstrieren und auch Angst verbreiten wollen. Zu diesem Selbstbild passt kaum, sich auf vertiefende Erzählungen zu verletzenden Erfahrungen in der Kindheit einzulassen und Ohnmacht einzugestehen. Es ist deshalb im Grunde schon erstaunlich, dass sich in vielen anderen Extremismus-Studien (die ich hier auch im Blog besprochen habe) deutliche Belastungen (dabei auch Gewalterfahrungen) in der Kindheit von Rechtsextremisten feststellen lassen. Man muss wohl einen guten Rahmen wählen und auch die Fragen geschickt stellen, dann bekommt man auch Antworten. Beide o.g. Studien sind schon etwas älter und waren methodisch sicher auch nicht perfekt. Trotzdem möchte ich sie hier besprechen, denn die Grunderkenntnis ist auch hier, dass sich regelmäßig belastende Kindheitserfahrungen bei Extremisten finden lassen.

Freitag, 25. September 2020

Kindheitsursprünge von Rechtsextremismus: DIE gesammelten Studien.

(aktualisiert am 18.10.2021, Hinweise zu neuen Aktualisierungen jeweils im Kommentarbereich)


Bisher habe ich 32 Studien und Einzelarbeiten (Befragungen oder Fallbeispiele aus der psychotherapeutischen Praxis) gefunden, innerhalb derer Kindheiten von rechten Gewalttätern bzw. Rechtsextremisten besprochen wurden. Diese Studien stelle ich unten vor. 

Viele dieser Studien habe ich hier im Blog bereits ausführlicher besprochen (siehe entsprechend die Links unten). Dass sich nicht immer in 100 % der untersuchten Fälle destruktive Kindheiten nachweisen lassen, ist logisch und dazu habe ich auch bereits hier und hier deutliche Anmerkungen gemacht. Allerdings lässt sich zusammenfassend eindeutig sagen: Generell zeigt sich, dass rechte Gewalttäter bzw. Rechtsextremisten i.d.R. eine sehr destruktive Kindheit hatten!

Das Bild, das diese 32 Studien aufzeigen, wird noch durch kriminologische Befragungen mit hohen Fallzahlen ergänzt (z.B. "Einflussfaktoren extremistischer Einstellungen unter Jugendlichen in der Schweiz" oder "Einflussfaktoren des politischen Extremismus im Jugendalter — Rechtsextremismus, Linksextremismus und islamischer Extremismus im Vergleich"). Sie zeigen signifikante Zusammenhänge zwischen Gewalterleben (Körperstrafen) in der Kindheit (und auch fehlender elterlicher Zuwendung) und rechtsextremistischen Einstellungen. Es gibt auch andere interessante Ansätze. In den USA (Quest for Significance and Violent Extremism: The Case of Domestic Radicalization. Political Psychology 38(5)) wurden 1496 Akteure (90% männlich), die ideologisch bedingte Straftaten (rechtes, linkes + islamistisches Spektrum) begangen hatten, an Hand öffentlich zugänglicher Daten/Berichte untersucht (keine direkten Befragungen). 62 % der untersuchten Akteure hatten Gewalt ausgeübt. 35 % aller Akteure wurden als Kind misshandelt, 48 % erlitten ein Trauma (nicht nur auf Kindheit bezogen), 29 % hatten stark extremistische Familienmitglieder. Dafür, dass keine direkten Befragungen stattfanden, sind die Ergebnisse bezogen auf Belastungen recht eindrucksvoll. Auch hier wird deutlich, dass traumatische Erfahrungen und belastende Kindheitserfahrungen bedeutsam bei der Genese von Extremismus sind. 
Es gibt auch etwas ältere Forschungsansätze (immer noch aktuell!), die in eine ähnliche Richtung zeigen. So fand eine Forschungsgruppe bei einer Befragung von 695 Jugendlichen heraus, dass negatives Erziehungsverhalten einen direkten Effekt auf Level und Anstieg von fremdenfeindlichen Einstellungen hat (Hefler, G., Boehnke, K.& Butz, P. (1999): Zur Bedeutung der Familie für die Genese von Fremdenfeindlichkeit bei Jugendlichen: Eine Längsschnittanalyse. In: Zeitschrift für Soziologie der Erziehung und Sozialisation (19). S. 72–87). 
Eine große Studie im Auftrag des Ministerium für Frauen, Jugend, Familie und Gesundheit des Landes Nordrhein-Westfalen fand, dass rechtsextrem eingestellte Jugendliche im Vergleich zur allgemeinen Altersgruppe häufiger geschlagen, strenger erzogen und weniger von den Eltern unterstützt wurden, Die rechtsextrem eingestellten Jugendlichen bekamen auch weniger elterliche Aufmerksamkeit und fühlten sich in der Kindheit einsamer als ihre Altersgenossen. 

Zu diesem Gesamtbild gehören ergänzend auch die vielen „Einzelfälle“, die ich hier im Blog oder in meinem Buch besprochen habe: Diverse NS-Täter (inkl. Adolf Hitler + weitere wichtige Anmerkungen über seine Kindheit hier und hier) sowie Rechtsterroristen wie Beate Zschäpe, Uwe Böhnhardt, Anders Breivik und Stephan Ernst (siehe diese und diverse weitere Fälle aus dem rechtsextremen Spektrum + diverse NS-Täter im Inhaltsverzeichnis). Was sowohl bei den detaillierten Einzelfällen als auch in so machen Studien mit vielen Befragten auffällt sind oftmals Mehrfachbelastungen (!), also z.B. eine autoritäre Erziehung und der Tod eines Elternteils (wie es z.B. bei Adolf Eichmann war). Andere erlebten eine autoritäre Erziehung und ergänzend Mobbingerfahrungen oder wurden Zeuge von häuslicher Gewalt oder hatten suchtkranke Familienmitglieder usw. Bei manchen Tätern kommen gar so viele Belastungen zusammen, dass man sich fragt, wie diese Menschen ihre Kindheit überhaupt überlebt haben (Paradebeispiel dafür ist Adolf Hitler).

Die empirische Datenlage ist geradezu überwältigend! Trotz dieser vielen Einzelarbeiten ist mir bis heute keine Arbeit bekannt, die all diese hier genannten Studien (und ergänzend auch Einzelfälle) zusammengebracht hat. Dieser Beitrag dürfte somit der bisher umfassendste im deutschsprachigen Raum sein, wenn es um die Kindheitsursprünge (und somit um die tieferen Ursachen an sich) von Rechtsextremismus geht.
Diese Feststellungen mache ich mit einem "lachenden" und "weinenden" Auge. „Lachend“ deshalb, weil es mich nach all der Recherchearbeit und Mühen schon ein wenig stolz macht, dass ich als unabhängiger, "nebenberuflicher" Gewaltforscher diese Dinge zusammenführen konnte. „Weinend“ deshalb, weil es mich immer wieder erstaunt und auch ärgert, dass die akademisch eingebundene Fachwelt sowie auch die Medien das Thema „Kindheit und Extremismus“ (und weitergedacht also auch das Thema „Kindheit und NS-Zeit“) einfach viel zu selten zentral in den Blick nehmen. In jede größere Debatte (und auch in entsprechende Fachbuchreihen) über Ursachen und Prävention von Rechtsextremismus gehört das Thema „destruktive Kindheitserfahrungen“ deutlich und zentral auf den Tisch. 

Ich wünsche mir, dass diese meine Arbeit einen Beitrag dazu leisten kann, dass Scheuklappen abgelegt werden und dass die Opfererfahrungen der Täter mehr in den Blick genommen werden. Und ich wünsche mir, dass in der Folge größere Bemühungen für weltweit mehr Kinderschutz unternommen werden: Kinderschutz ist mehr als nur die Verhinderung von individuellem Leid. Kinderschutz ist immer auch Gewalt- und Extremismusprävention (und in der Folge auch Kriegsprävention)!

Meine Grundthesen sind und bleiben: Wer eine wirklich gute Kindheit hatte, wer gewaltfrei aufwachsen durfte und wer mindestens ein Elternteil hatte, von dem er/sie wirklich geliebt wurde, der wird kein Rechtsextremist oder gar Massenmörder. Die gezeigten Studien untermauern meine Thesen einmal mehr. Diese Erkenntnisse bedeuten umgekehrt nicht, dass misshandelte, gedemütigte und traumatisierte Kinder automatisch zu Extremisten werden. Dies wäre empirisch auch gar nicht haltbar. Belastende Kindheitserfahrungen bilden nur das Fundament für Extremismus und Gewaltverhalten. Aber nicht vergessen: Die Kindheit ist politisch!


Hier nun die gesammelten Studien (verlinkte hier im Blog bereits besprochen): 

Aigner (2013): 3 (ehemalige) rechte Skinheads (männlich)

Bannenberg & Rössner (2000): 17 junge, rechtsextreme oder rechts-denkende Gewalttäter in Ostdeutschland

Bielicki (1993): 1 rechtsextremer junger Mann (aus der psychoanalytischen Praxis)

Bjørgo (2005): 16 jugendliche Mitglieder (mehrheitlich männlich) in Neonazi-Gruppen; 4 ehemalige jugendliche Neonazis (Norwegen)

Böttger (1998): 10 junge Rechtsextremisten (9 männlich, 1 weiblich)

Bohnsack (1995): 3 junge, männliche Hooligans, die vorher Teil der rechten Skinheadszene waren (insgesamt wurden 4 Hooligans befragt)

Ezekiel (1996): zentral: 9 Mitglieder einer Neonazigruppe in Detroit; weniger zentral: 3 Nazi-Führungspersönlichkeiten in den USA

Fachstelle für Rassismusbekämpfung (2007): Insgesamt 26 Schweizer rechtsextreme Jugendliche (6 junge Frauen, 20 junge Männer)

Frindte & Neumann (2002):  91 verurteilte rechte Gewalttäter. 

Funke (2001): 3 männliche deutsche Rechtsextremisten 

Heitmeyer & Müller (1995): 45 verurteilte, gewalttätige Jugendliche und junge Erwachsene, die von der Justiz als vermutlich oder tatsächlich fremdenfeindlich bzw. rechtsextremistisch eingestuft worden sind

Hopf et al. (1995): 6 als deutlich rechtsextrem eingestufte männliche Jugendliche (von insgesamt 25 Befragten)

Kahl-Popp (1994): 1 rechtsextremer Jugendlicher in psychoanalytischer Behandlung

Köttig (2004) (in meinem Buch besprochen): 32 weibliche Rechtsextremisten 

Krall (2007): 3 rechtsextreme Jugendliche (2 männlich, 1 weiblich), die in betreuten Wohneinrichtungen lebten. 

Leuzinger-Bohleber, M. (2016): 1 Fallbeispiel (männlich) einer rechten Radikalisierung aus der psychoanalytischen Praxis 

Lützinger (2010): 39 männliche Extremisten (24 rechts, 9 links und 6 islamistisch)

Marneros et al. (2003): 61 männliche, rechtsextreme Gewalttäter, die angeklagt wurden

Michel & Schiebel (1989): 3 männliche, rechtsextreme Jugendliche

Nölke (1998): 2 rechte Jugendliche

Schmidt (1996): 1 rechtsextremer, gewaltbereiter Jugendlicher mit schwerer Persönlichkeitsstörung, der psychotherapeutisch behandelt wurde

Scrivens et al. (2019): 10 ehemalige Rechtsextremisten (8 männlich, 2 weiblich) aus Kanada 

Sigl (2013): 3 ehemalige, weibliche Rechtsextremisten

Sigl (2018): 7 ehemalige Rechtsextremisten (5 männlich, 2 weiblich)

Simi et al. (2016):  44 (38 männlich, 6 weiblich) ehemalige Mitglieder rechtsextremistischer Gruppen in den USA

Speckhard & Ellenberg (2021): 32 (2 weiblich) aktive oder ehemalige Extremisten/Rassisten (die meisten aus den USA, 3 aus Kanada, 3 Deutsche, 1 Brite und 1 Neuseeländer) 

Streeck-Fischer (1992): ca. 5 rechte Skinheads (psychoanalytische Arbeit)

Streeck-Fischer (1999): 1 rechter, männlicher Skinhead (aus der stationären, psychiatrischen Behandlung)

Sutterlüty (2003): 3 männliche, gewalttätige Rechtsextremisten

Wahl et al. (2003) (in meinem Buch besprochen): 115 verurteilte, rechte Gewalttäter

Windisch et al. (2020): 91 (70 männlich, 21 weiblich) ehemaligen U.S. Extremisten/Rassisten (aus den Gruppierungen Ku Klux Klan, Christian Identity, neo-Nazi, racist skinheads

Wirth (1989): 6 rechte Skinheads (psychoanalytische Arbeit; nur ein Fall exemplarisch dargestellt)

(Siehe ergänzend auch meinen Beitrag: "Verklärt, beschönigt, verdrängt: Kindheiten von Gewalttätern und Extremisten. Eine Mahnung an die Forschung")



Detaillierte Quellen:

Aigner, J. C. (2013): Der ferne Vater. Zur Psychoanalyse von Vatererfahrung, männlicher Entwicklung und negativem Ödipuskomplex. Psychosozial-Verlag, Gießen. (3. Aufl.)

Bannenberg, B. & Rössner, D. (2000): Hallenser Gewaltstudie - Die Innenwelt der Gewalttäter: Lebensgeschichten ostdeutscher jugendlicher Gewalttäter. DVJJ-Journal: Zeitschrift für Jugendkriminalrecht und Jugendhilfe, 11 (2000) 2, S. 121-134.

Bielicki, J. S. (1993): Der rechtsextreme Gewalttäter. Eine Psycho-Analyse. Rasch und Röhring Verlag, Hamburg.

Bjørgo, T. (2005): Conflict processes between youth groups in a norwegian city: polarisation and revenge. European journal of crime, criminal law and criminal justice, Vol. 13(1), S. 44-74.

Böttger, A. (1998): Gewalt und Biographie. Eine qualitative Analyse rekonstruierter Lebensgeschichten von 100 Jugendlichen. Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden.

Bohnsack, R., Loos, P., Schäffer, B., Städtler, K. & Wild, B. (1995): Die Suche nach Gemeinsamkeit und die Gewalt der Gruppe: Hooligans, Musikgruppen und andere Jugendcliquen. Leske + Budrich, Opladen.

Ezekiel, R. S. (1996): The Racist Mind: Portraits of American Neo-Nazis and Klansmen. Penguin Books, New York. 

Fachstelle für Rassismusbekämpfung (FRB) (Hrsg.) (2007): Jugendliche und Rechtsextremismus: Opfer, Täter, Aussteiger. Wie erfahren Jugendliche rechtsextreme Gewalt, welche biografischen Faktoren beeinflussen den Einstieg, was motiviert zum Ausstieg? Eidgenössisches Departement des Innern, Bern. 

Frindte, W. & Neumann, J. (2002): Der biografische Verlauf als Wechselspiel von Ressourcenerweiterung und – einengung. In: Frindte, W. & Neumann J. (Hrsg.): Fremdenfeindliche Gewalttäter. Biografien und Tatverläufe. Westdeutscher Verlag. Wiesbaden. S. 115-153.

Funke, H. (2001): Rechtsextremismus 2001. Eine Zwischenbilanz. Verwahrlosung und rassistisch aufgeladene Gewalt – Zur Bedeutung von Familie, Schule und sozialer Integration. In: Eckert, R. et al. (Hrsg.): Demokratie lernen und leben – Eine Initiative gegen Rechtsextremismus, Rassismus, Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit und Gewalt. Band 1. Weinheim, Freudenberg Stiftung. S. 59-108.

Heitmeyer, W. & Müller, J. (1995): Fremdenfeindliche Gewalt junger Menschen. Biographische Hintergründe, soziale Situationskontexte und die Bedeutung strafrechtlicher Sanktionen. Bundesministerium der Justiz (Hrsg.). Forum Verlag, Bonn.

Hopf, Christel; Rieker, Peter; Sanden-Marcus, Martina und Schmidt, Christian (1995): Familie und Rechtsextremismus. Familiale Sozialisation und rechtsextreme Orientierung junger Männer. Weinheim und München: Juventa Verlag.

Kahl-Popp, J. (1994): „Ich bin Dr. Deutschland." - Rechtsradikale Phantasien als verschlüsselte Kommunikation in der analytischen Psychotherapie eines Jugendlichen. Praxis der Kinderpsychologie und Kinderpsychiatrie, 43 (1994) 7, S. 266-272.

Köttig, M. (2004): Lebensgeschichten rechtsextrem orientierter Mädchen und junger Frauen: Biografische Verläufe im Kontext der Familien- und Gruppendynamik. Psychosozial-Verlag, Gießen.

Krall, H. (2007): Aggression und Gewalt bei rechtsextremen Jugendlichen — Perspektiven sozialpädagogischer Jugendarbeit. Zeitschrift für Psychodrama und Soziometrie, Volume 6, S. 99–113.

Leuzinger-Bohleber, M. (2016): Radikalisierungsprozesse in der Adoleszenz – ein Indikator für eine nicht gelungene Integration? In: Leuzinger-Bohleber, M. /Lebiger-Vogel, J. (Hrsg.): Migration, frühe Elternschaft und die Weitergabe von Traumatisierungen. Klett-Cotta, Stuttgart, S. 171–193.

Lützinger, S. (2010): Die Sicht der Anderen. Eine qualitative Studie zu Biographien von Extremisten und Terroristen (Polizei + Forschung Bd. 40). BKA – Bundeskriminalamt, Kriminalistisches Institut (Hrsg.). Luchterhand Fachverlag, Köln. (Auch in englischer Übersetzung online einsehbar: Saskia Lützinger: The Other Side of the Story. A qualitative study of the biographies of extremists and terrorists: https://www.bka.de/SharedDocs/Downloads/DE/Publikationen/Publikationsreihen/PolizeiUndForschung/1_40_TheOtherSideOfTheStory.html

Marneros, A., Steil, B. & Galvao, A. (2003): Der soziobiographische Hintergrund rechtsextremistischer Gewalttäter. Monatsschrift für Kriminologie und Strafrechtsreform. Band 86, Heft 5. S. 364–372. 

Michel, S. & Schiebel, M. (1989): Lebensgeschichten von rechtsextremen Jugendlichen. In: Rosenthal, G. (Hrsg.): Wie erzählen Menschen ihre Lebensgeschichte? Hermeneutische Fallrekonstruktion distinkter Typen. Forschungsbericht des Lehrprojektes: „Biographie“. Universität Bielefeld, Fakultät für Soziologie. S. 212-233.

Nölke, E. (1998): Marginalisierung und Rechtsextremismus. Exemplarische Rekonstruktion der Biographie- und Bildungsverläufe von Jugendlichen aus dem Umfeld der rechten Szene. In: König, H.-D. (Hrsg.): Sozialpsychologie des Rechtsextremismus. Suhrkamp, Frankfurt am Main. S. 257- 278. 

Schmidt, B. (1996): Psychoanalytische Überlegungen zur rechtsextremistischen Orientierung männlicher Jugendlicher. Praxis der Kinderpsychologie und Kinderpsychiatrie, 45 (1996) 10, S. 370-374.

Scrivens, R., Venkatesh, V.,  Bérubé, M. & Gaudette, T. (2019): Combating Violent Extremism: Voices of Former Right-Wing Extremists. Studies in Conflict & Terrorism. Onlineveröfentlichung 11. Nov. 2019. 

Sigl, J. (2013): Lebensgeschichten von Aussteigerinnen aus der extremen Rechten. Genderspezifische Aspekte und mögliche Ansatzpunkte für eine ausstiegsorientierte Soziale Arbeit. In: Radvan, H. (Hrsg.): Gender und Rechtsextremismusprävention. Metropol Verlag, S.273-289.

Sigl, J. (2018): Biografische Wandlungen ehemals organisierter Rechtsextremer: Eine biografieanalytische und geschlechterreflektierende Untersuchung. Springer VS, Wiesbaden.

Simi, P., Sporer, K. & Bubolz, B. F. (2016): Narratives of Childhood Adversity and Adolescent Misconduct as Precursors to Violent Extremism: A Life-Course Criminological Approach. Journal of Research in Crime and Delinquency. Vol 53, Issue 4. S. 536-563.

Speckhard, A. & Ellenberg, M. (2021, 17.05.): White Supremacists Speak: Recruitment, Radicalization & Experiences of Engaging and Disengaging from Hate Groups. ICSVE Research Reports.

Streeck-Fischer, A. (1992): »Geil auf Gewalt«. Psychoanalytische Bemerkungen zu Adoleszenz und Rechtsextremismus. Psyche, 46(8), S. 745-768.

Streeck-Fischer, A. (1999): Über die Mimikryentwicklung am Beispiel eines jugendlichen Skinheads mit frühen Erfahrungen von Vernachlässigung und Misshandlung. In: Streeck-Fischer (Hrsg.): Adoleszenz und Trauma. Vandenhoeck & Ruprecht Verlag, Göttingen. S. 161-173.

Sutterlüty, F. (2003): Gewaltkarrieren: Jugendliche im Kreislauf von Gewalt und Missachtung. Campus Verlag, Frankfurt am Main (2. Auflage). 

Wahl, K., Tramitz, C. & Gaßebner, M. (2003): Fremdenfeindliche Gewalttäter berichten: Interviews und Tests. In: Wahl, K. (Hrsg.): Skinheads, Neonazis, Mitläufer. Täterstudien und Prävention. Leske & Budrich, Opladen.

Windisch, S., W., Simi, P., Blee, K. & DeMichele, M. (2020): Measuring the Extent and Nature of Adverse Childhood Experiences (ACE) among Former White Supremacists. Terrorism and Political Violence. (Onlineveröffentlichung Juni)

Wirth, H.-J. (1989): Sich fühlen wie der letzte Dreck. Zur Sozialpsychologie der Skinheads In: Bock, M., Reimitz, M., Richter, H.-E., Thiel, T. & Wirth, H.-J. (Hrsg.): Zwischen Resignation und Gewalt. Jugendprotest in den achtziger Jahren. S. 187-202.